Neid
Privatroman
(schon wieder sage ich das Gegenteil, für die Heimischen
natürlich, für die, welche ein eigenes Heim hatten!) gewaschen haben, die
nichts andres, Besseres zu tun hatten als zu waschen. Ausschließlich Frauen,
die ausgeschlossen sind, heute und immerdar, mit Ausnahme der Gräfin B., welche
ihren Gästen eine zusätzliche Unterhaltung durch das Hauen und Schießen auf
Menschen bieten wollte, nicht gesagt, nicht getan, wahrscheinlich nie stattgefunden,
und wenn, dann nicht in dieser Zeitschrift, ausgeschlossen, das ist alles
geschehen, aber nicht belegt und ohne die Gräfin, und alle Frauen haben
immerdar gewaschen, daß es sich gewaschen hat, mit Ausnahme der Gräfin, die
sogar ihr eigenes Heim angezündet hat, damit es ganz verschwinden sollte, was
jedoch ebenfalls eine Lüge ist, ich kann sie von der Wahrheit längst nicht mehr
unterscheiden, aber das, was bleibt, hat sich gewaschen, damit diese Frau sich nicht mehr weißer
waschen muß, sonst verschwindet sie noch, aber sie ist ohnedies längst tot,
und, wie ich schon sagte, diese Frauen alle schupfen ihren Haushalt von einer
in die andre Hand, obwohl sie inzwischen recht ordentlich Karriere machen
könnten. So, nochmal: Schnelle Umkehr! U-Turn. It’s your
turn now! Es endet also am Anfang, wie es begonnen hat.
Dazwischen: nichts. Also muß man gar nicht erst warten. Mein Kunstwerk sank
soeben herunter, es ist ohnmächtig geworden, es war leider überfrachtet,
überlastet, ja, auch überhastet, dafür aber vollkommen gratis, ich betonte das
schon mehrmals, es hat es mit der Macht probiert, dieses Werk, es hat ohne
Gewehr auf die Macht angelegt, es hat sich mit der Macht angelegt, aber das hat
alles nicht funktioniert, und jetzt ist es halt ohnmächtig, obwohl ich es doch
so hochgehalten hatte, mein Werk, mein liebes Werk, das leider nur mir lieb und
keinesfalls teuer ist, und bleibt liegen, unter grünlichem Wasser voller Algen.
Das wird nicht mehr hochkommen. Wetten? Doch, nicht einmal das stimmt, mit den
und durch die Fäulnisgase wird es wieder hochkommen können. Und die Frau
Lehrerin? Es geht doch nicht einmal wirklich zur Sache, da ist es schon wieder
vorbei mit der alten Sau, genau!, bei der interessiert uns kein Anfang, und das
Ende kennen wir doch jetzt schon, das Ende hinter Gittern, wo sie vielleicht
immer noch ist, sie wird gar keinen Unterschied merken, im Gegensatz zur
feschen blonden Bäris, die ihn schon gemerkt und zu Gott gefunden hat und zur
Scheiße mittels Einlaufs (Klistiers), innerhalb weniger Tage, zu Gott in
Rekordzeit, zur Scheiße noch schneller, woher sie kam, das göttliche Kind,
daran glaubt sie jetzt selbst sehr fest, denn von wem sonst als von Gott sollte
solch ein himmlisches Wesen denn kommen, so ein himmlisches, das himmlische
schlechthin, das wir in der Farb-Abrichtung Blond gewählt haben. Man kann
sagen, diese Frau Lehrerin besorgt es ihm, dem Knaben auf der Heide, im Wald
täte sie es nicht, da stechen einen die Nadeln und abgefallenen Zweiglein der
Bäume in den Hintern, und die Verlassenschaften von anonymen Tieren verlassen
einen nicht, so, wir haben die Situation fixiert: Sie besorgt es dem Knaben,
die Lehrerin besorgt es ihm, recht ungeschickt übrigens, aber immerhin, er hat
noch nicht viele Vergleichsmöglichkeiten in seinem Alter, der Bub, mit seiner
Vollendung in ihren Mund hinein, ich sagte das bereits, woanders, aber es hat
mir so gut gefallen, warum sollte ich es also nicht noch einmal verwenden,
woanders?, statt den Kopf hängenzulassen und mir ein andres Wort auszudenken,
das Sie auch nicht verstehen werden, und ich habe es gelesen, das Wort, das
nicht Fleisch werden wollte, im Gegensatz zum Fleisch, das nicht Wort werden
wollte, zumindest bei mir nicht, bei jemand anderem schon, aber bei mir nicht,
weil ich so etwas vorher noch nicht gehört hatte, und es hat mir so gut
gefallen, allein das Wort Vollendung gefällt mir dermaßen gut, daß ich es auch
auf mich anwenden würde, wenn ich dürfte, aber ich darf ja nicht. Sie wollen es
ja nicht! Die Frau vollendet nichts, denn wenn sie glaubt, etwas vollendet zu
haben, dann muß sie wieder von neuem anfangen, drüber reden genügt nicht, wird
nie genügen, denn die Sprache des Mannes ist eine andre als die der Menschheit,
nur in Rechnitz sprach eine Frau Graf, nein, die sprach in Wimbledon und eine
andere wiederum, Läuferin von Beruf, sprach einmal zu oft einer Flasche
Mineralwasser zu und konnte danach nicht mehr zur Olympiade antreten und
selbstverständlich auch nicht anlaufen, mit noch soviel Zuspruch nicht, ich
meine eine andre Frau Gräfin, aber so sehe ich es eben immer noch, daß, mit
wenigen Ausnahmen, nur der Mann spricht, so ist das mit der Vollendung, die dem
Mann gewidmet ist und von ihm kommt, äh, ich meine, die der Mann uns Damen
widmet, nein, ich ändere meine Meinung nicht so schnell, ich sehe es irgendwo
geschrieben, wenn auch nicht grad in der Flammenschrift vor einem Schloß im
Burgenland: gewogen und für zu leicht befunden, also das zeigt meine Waage nun
garantiert nicht an, bin froh, wenn ich innerhalb der von ihr für mich vorgesehenen
Norm bleibe, wie auch immer, ich muß es nur noch abschreiben, was da steht,
ohne auf die Waage steigen oder meine Worte auf die Goldwaage legen zu müssen,
das alles geht ja schnell und bringt mir auch nichts ein, was aber aus Not, aus
reiner Notwehr, da ich mich Menschen nicht mehr zur Verfügung stellen kann, von
mir als Vorteil recht erwünscht ist. Ich gebe vor, daß es erwünscht ist, und
jetzt beweise ich es mir selbst. Soll wirklich alles, alles verschwinden, was
von mir übrig ist, und Leben habe ich keins und habe ich daher auch keines zu
verschenken, höchstens eins zu vergeuden? Ja. Das gilt aber für jede Frau. Ich
bin da nichts Besonderes. Sobald sie nichts zu verschenken hat, kein Kind,
nichts, soll sie gefälligst verschwinden, gestern wäre noch zu spät gewesen. Da
der Mann überflüssig und Quelle der größten Schrecken ist, soll besser die Frau
verschwinden. Ich finde das nicht logisch. Aber ich kann eh nicht logisch
denken. Wenn die Frau endlich verschwunden ist, in manchen Ländern darf sie
ohnedies gar nicht erst geboren werden und lebend zum Auftritt erscheinen, hat
der Mann vielleicht keinen Grund mehr, so gemein zu ihr zu sein und sie
notfalls selber umzubringen, sobald sie nach Hause kommt, diese Frau, von der
ab und zu die Rede ist: Sie öfter vorkommen zu lassen, schaffe ich offenkundig
literaturtechnisch nicht, es ist mir zu schwer, aber sie spricht ja selber auch
nie, sie sagt mir nicht, was ich schreiben soll, diese Frau mit ihren
armseligen kleinen Einkäufen (sogar D. weint schon, daß ich so wenig einkaufe,
dabei muß er es holen und sollte froh sein, daß er mir nicht soviel beim Tragen
helfen muß), da ist es schon vorher ausgemacht worden, daß der Bursch bereits
reglos mit nacktem Unterkörper, die Hose bis zu den Knöcheln hinuntergezogen, wie
ein Geschenkpaket auf sie, die Frau, nein, auf seine, nein, nicht seine, aber
doch eine Lehrerin knospriger, knuspriger Geschöpfe, warten soll, wenn er
dieses Auto will, wenn er es immer noch will und bereit ist, das alles dafür
auf sich zu nehmen, wobei bei ihm unsichtbares Gelächter ausbricht wie ein
sinnlos herumhüpfender Gelächterbrand auf einer leeren Glasfläche in einem
leeren Haus (er weiß ja nicht, daß dort die neue junge Freundin aus seiner
Klasse, die noch dazu ganz genau seine Klasse hat, auf ihn warten wird, morgen
oder wann immer, auf die Zeit, die vergeht, achten wir hier nicht so, wir
achten auf den Raum, den wir einnehmen, jeweils eine Bildschirmgröße lang,
keinen Millimeter länger), er sieht ja, wann die Freundin kommt, und der Bub
sieht die Lehrerin mit seinen Augen, da sie kleine Ersparnisse hat, etwas, das
ganz eigen ist, und für das er Überzeugungen und ganze Stücke seines Körpers
opfern würde, freiwillig, wenn auch nicht für immer, sie wachsen ja immer
wieder nach, also ist es nicht einmal ein Opfer (hätte sie keine Ersparnisse,
würde er sie ja gar nicht sehen können), ich sagte: freiwillig, im Gegensatz zu
dem kannibalisierten Mann in der Notschlafstelle Reichsapfelgasse, 1150 Wien,
der von einem 19-Jährigen in kleinen Teilen gegessen worden ist oder auch
nicht, man weiß es nicht, keine Ahnung, was von ihm fehlt, in der Tat, durch
eine grausame Tat, zuvor ermordet und danach die Zunge und einige Innereien
nett auf einem Teller drapiert, etliches davon bereits gegessen hat der junge
deutsche Mann, der mit blutverschmiertem Mund der Putzfrau die Tür öffnete: „Da
ist etwas passiert“, meine einzige direkte Rede hier! (so rächt es sich, wenn
man nicht kochen kann, denn der Knabe hat den Älteren ermordet und dann roh zu
fressen versucht, nein, natürlich ist das ziemlich roh, nein, natürlich ist es
nicht, sowas zu versuchen, aber der junge Mörder hat das Fleisch nicht vorher
gekocht oder gebraten, das meine ich mit roh, das Fleisch roh, die Menschen
roh, das Fleisch, es ist roh zu jedem von uns, wenn es nicht oft genug kriegt,
was es braucht, und soll ich Ihnen was sagen? Sie sind nicht gefragt!, denn
auch wenn Sie es nicht wollen, ich sage es trotzdem! Ich bin schon eher gefragt
als Sie, aber ich antworte trotzdem nicht), und dieses Haus in der Reichsapfelgasse
ist exakt das Haus, in dem bereits vor Generationen Menschenfresser, diesmal
weiblich, ihr Unwesen vertrieben haben, aber es ist immer wieder zu ihnen
zurückgekehrt, dieses Unwesen, das vertrieben wurde nicht im Sinne von verkauft
oder weggescheucht, sondern im Sinne von: alle anderen Menschen verdrängen und
diejenigen essen, die übriggeblieben sind, weil sie nicht so schnell
davonrennen konnten, ja, mich essen!, ich bin gegessen worden, seit ich noch
kaum gehen konnte, und dies ist exakt das Haus, in dem meine
Menschenfressermutti von meiner Menschenfresseromi aufgezüchtet worden ist,
hochgezüchtet, und dann haben die beiden Damen mich aufgegessen, schön langsam,
die eine (Omi) im Sommer, da ich ihr ausgeliefert war und mir Rasierklingen überall
hin ausgedrückt habe, bis das Blut nur so geflossen ist, die andre das ganze
Jahr über, mit Ausnahme des Sommers, später, im Herbst ihres Lebens, auch im
Sommer, sie haben sich abgewechselt, wenn sie meiner habhaft werden konnten,
damit einzelne Teile von mir, die noch weiter zu bestehen schienen, die noch
auf sich zu bestehen schienen, was ihnen aber ausgetrieben wurde, sich noch ein
wenig entwickeln konnten, bevor auch sie gegessen waren, das Kalb darf ja auch
ein wenig wachsen, bevor es gefressen wird, dann wiegt das Fleisch nämlich
mehr, dann ist mehr dran an ihm, ein halbes Kilo Antibiotika in jedem einzelnen
Stück Tier, ja, ja, die Reichsapfelgasse in Wien, das nenne ich genius loci,
die Reichsapfelgasse, ich glaubs nicht, ich traue meinen Augen nicht, aber auch
sonst niemandem, aber das mit der Reichsapfelgasse stimmt, ich habe im
Fernsehen das Haus sofort wiedererkannt, obwohl ich jahrzehntelang nicht dort
war, in dem ich die Omi immer besuchen mußte, na ja, man ißt, was einem im Weg
ist, oder man ißt, was man geschaffen hat, oder man ißt, was man von sich
abgetrennt nicht erkennen kann, nein, das stimmt nicht, das wäre
Autokannibalismus, und das Auto will der kapitale hübsche Knabe ja behalten,
der wiederum fürs Auto das Kapital der Lehrerin braucht, welches leider sehr
klein ist und daher schnell runtergeschluckt ist; gegessen wird in dieser
realen Tauschhandlung, die nichts Symbolisches an sich hat, geschluckt wird in
diesem Fall, der kein Fall werden wird, oder doch?, auf jeden Fall, in jeder Falle!
Wurst, egal, was man ißt. Alles, was ich schreibe, ist irgendwie ein Fall für
die Behörden, die aber nie einschreiten, nur die Literaturbehörden schreiten
ein, die aber dafür umso entschiedener, je weniger autorisiert, umso
entschiedener; also in diesem Fall wurde nur ein Abfallprodukt seines Körpers,
des Knabenkörpers, von einer Frau runtergeschluckt, nein, natürlich nicht der
ganze Körper, der gleich wieder zurückverlangt werden wird, wir sind ja nicht
der Kannibale!, kaum daß der weibliche Schluckspecht den Schlatz runtergedrückt
hat, welcher mehrmals wieder, vielleicht in Gestalt eines lecker zubereiteten
Fischs wie die frühen Christerln?, was darfs denn sein?, darfs ein bisserl mehr
sein?, fischig eben hochzukommen versuchte, wie wir alle, aber die meisten von
uns müssen leider unten bleiben, und einmal ist der Abfall, den man sonst ja
immer mühsam runtertragen muß, dann doch freiwillig unten geblieben und nicht
mehr die Stiegen raufgegangen, und der Knabe kann danach, wenn alle fertig
sind, das sind wir doch, oder?, alle?, alle!, jederzeit die Abkürzung zum Haus
gegenüber nehmen, die aber nicht nötig ist, denn jener Weg, den er einschlägt
wie eine Fensterscheibe, achtlos, wie nebenbei, ungeschützt, ist schon die
kürzeste Verbindung zwischen zwei Geraden oder so, der Schlüssel liegt unter
der Türdacke, der 49-jährige, teilweise ausgeweidete Tote, in dem ein andrer
Knabe zwei Tage lang (glaub ich, übers Wochenende) geweidet hat, ist bereits
abtransportiert, in einer andren Zeit, und ach, der Mann, er lebt nicht mehr,
das Fernsehen hat seine Bilder bereits verschossen und muß sie jetzt endlich
wieder rausrücken, ich bin wie erschossen mit offenem Mund davorgesessen,
keiner hat mir hineingespritzt, womit hätte ich das schlucken sollen, da ich
doch nur noch eine Art Rumpftorso bin, kann sein mit Mund, kann sein ohne,
nein, ich bin nicht ohne, denn ich esse ja immerhin noch, allerdings keine
Toten, die esse ich nur symbolisch, zur Erinnerung und weil sie mir das Leben
und einen Namen geschenkt haben, die haben sich mich einverleibt, und jetzt
nehme ich ihnen ihre Leiber wieder weg, die eh nicht mehr existieren, das Grab
ist eingesunken, der Sargdeckel ist eingebrochen, wer würde da sonst noch
einbrechen? Keiner mehr, keiner, um sich das dunkelblaue Seidenkleid meiner
Mama selbst anzuziehen, das recht hübsch war, mit Schalkrawatte und mit
demselben Stoff überzogenen kleinen Knöpfen, nicht einmal das kann ich sagen,
mit mit demselben Stoff überzogenen muß es heißen, und das ich ihr in den Sarg
nachgeschmissen habe, unter Schimpfworten, sie und das Kleid, das nicht
hinterhergeschmissen wurde, mit dem sie vielmehr frisch bezogen wurde, die
Mama, und mehr durfte sie eh nicht mitnehmen, bei Flügen darf man nicht zuviel
mitnehmen, die meisten Flüssigkeiten, Nagelfeilen und was weiß ich, ich fliege
ja nie, werden einem vorher weggenommen, ganz recht, und auch den Toten wird
alles abgenommen, nur ihre Lieblingskleidung dürfen sie behalten, falls die
Angehörigen sich davon trennen können, ich hatte bei Mama damit keine Probleme,
sie wurde damit bekleidet, mit dem dunkelblauen Seidenkleid, was jetzt davon
wohl übrig ist?, also da ich vorhin etwas gegessen habe, vermute ich mal, daß
es ein andrer Teil ist, der von mir übrig ist, ein Teil, der aber kein Teil von
mir ist, obwohl er mir gehört, mein Teil, er soll verloren und gegessen sein,
aber es will ihn ja keiner, das, was Mama von mir übrigließ, das will keiner
mehr, nicht einmal der 19-jährige Mörder würde Abfälle essen, der will gesunde
Innereien und Zunge essen, keine Ahnung, warum er sich auf Innereien versteift
hat, wahrscheinlich, weil sie sich leichter schneiden lassen, so, wo waren
wir?, bei einem Schlüssel unter einer andren Türdacke, Schlüssel verliert man
ja so leicht, deshalb sollten sie immer an derselben Stelle aufbewahrt werden,
der Mensch in seiner Haut, die man durchschneiden kann, die Schlüssel unter der
Türdacke, die man hochheben kann (manche nehmen auch Blumenkübel, aber die kann
man nicht in jedem Fall draußen stehenlassen, sonst werden sie geklaut, und im
Winter müssen sie erfrieren), in einem andren Bundesland, es hebe hoch, ich
meine, es lebe hoch (in der Reichsapfelgasse hatte die Putzfrau keinen
Schlüssel, es hat der Täter ja selber der Putzfrau die Türe geöffnet, mit
blutverschmiertem Mund, mit dem er die Worte sprach, welche ich bereits zitiert
habe, damit sie in die Geschichtsbücher Einzug halten können, in die schon
Millionen von Leichen eingezogen sind, plus zweihundert im Burgenland, ihre
Möbel mußten sie leider zurücklassen, ihre gesamte Kleidung, ihre Goldzähne,
ihre ganzen Habseligkeiten, alles, am Schluß ihr Leben, das hat Stil, in so
großem Stil hat noch nie zuvor ein Volk so viele Leben gestohlen: Es ist etwas
passiert, da ist etwas passiert, mit so einfachen Worten kann man es auch sagen,
ich kann es gar nicht sagen, tu es dafür aber umso lieber), unter der Türdacke
also der Schlüssel, ein Wort, daß Sie als Deutscher nicht kennen, nein,
natürlich kennen Sie Schlüssel, und was Sie essen dürfen, das wissen Sie, als
Diabetiker müssen Sie nämlich auf sich und Ihr Blut aufpassen, und als
Sonnenhungriger in der Haut eines anderen müßten Sie vielleicht auf die Sonne
aufpassen, in Ihrer Haut aber sind Sie immer mit Unbesorgtheit beschäftigt, wie
freut mich das für Sie; nein, daß Sie vielleicht krank sind, freut mich nicht,
verschwinden Sie trotzdem, wenn Sie der sind, den ich meine, sonst stecke ich
mich an Ihnen an, oder auch die soll verschwinden, wie heißt sie noch gleich,
jawohl, die meine ich auch, weg auch gleich, wenn wir schon dabei sind, aber
wir sind leider nicht dabei, weg mit ihr, die beim Bachmann-Wettbewerb immer so
streng dreingeschaut hat, als wollte sie jemanden auffressen, nicht nur seine
Zunge (seine Zunge wird er hoffentlich retten können, wird hoffentlich gerettet
werden können, mit Mühe, seine Zunge), auffressen wollte sie mit ihren schönen
großen Zähnen den jeweiligen Saalkandidaten, ihm die gerettete Zunge wieder aus
dem Mund reißen und verschlingen, ihn verschlingen an einem dieser Tage, die
einer Hand breit vor Gott sind, aber dessen Leben, des Saalkandidaten Leben,
ein Nichts ist vor ihr, der strengen Richterin. So, wieder einer, der nicht
entsprochen hat, und nicht nur ihr, und es wird ihm, dem jungen Mann, nein,
natürlich nicht dem, der sich im Saal an einem Schauplatz voller Scheinwerfer
die Worte aus dem Kopf schrubbt, bis Blut kommt, sondern einem anderen, an
einem andren Ort, von einer andren Frau, einer abgekaut, bis aufs Blut
abgekaut, der Nagel, ein Stück vom Schwanz weggeschluckt von einer handelnden
Person, das geht hier bei mir ja ruckzuck, der Wechsel ist ruckzuck gegangen,
aber leider nur beim Schreiben, der Ortswechsel geht demnach vonstatten, kaum
daß einem gestattet wird, sich einmal umzuschauen, die Nummer wird telefonisch
durchgegeben werden, daß die Frau als Partnerin, nein, nicht als Partnerin, sie
ist jetzt in einer andren Rolle, als Verführerin eines gerade noch
Minderjährigen?, wo kein Kläger, da kein Richter, sich bereits auf den Weg aus
der Musikschule nach Hause gemacht hat, dort soll der Knabe auf die Geliebte,
die keiner liebt, warten, aber nein, das ist nicht der Schlüssel zu dieser
Frau, nicht der Schlüssel zu diesem Fall, ich muß den andren Schlüssel nehmen,
daß er mir nur nicht durchs Kanalgitter fällt, der Schlüssel!, ich komm schon
ganz durcheinander, das ist ja nichts Neues für Sie, nicht einmal für mich, das
ist nur der zu ihrer Hintertür, welcher exakt derselbe ist wie der zur
Vordertür, nein, doch nicht. Was rede ich da? Was vorne paßt, paßt hinten
nicht. Es paßt vorn und hinten nicht. Und den Schlüssel, jeden Schlüssel,
braucht er zu allerletzt, sie ist doch immer schon sperrangelweit offen, ohne
daß er sie auch nur in den Hintern zwicken müßte, um den Schließmuskel ein
wenig zu entspannen, obwohl wir hier nicht im Sonnenstudio sind, um braun zu
werden, sondern um aufgeschlossener zu werden. Daher die Schlüssel. Er übt
derzeit noch, der Bub. Er übt im Liegen. Er liegt bereits unten, die untere
Hälfte meine ich, entblößt auf ihrem Bett, wie ausgemacht, weil liebevolles
Benehmen für ihn etwas vollkommen Unbekanntes ist, deswegen liegt er nur
formlos, ähem, ich meine ohne Förmlichkeiten in seiner schönen und guten Form
einfach so da, wenn sie kommt, er liegt auf ihrer hübsch abgesteppten
Tagesdecke, die für die Nacht abgenommen werden wird, tagsüber darf sie
draufbleiben, ich verstehe das nicht, es soll doch nicht überall, aber auch
wirklich überall, auch an Orten, die Sie sich gar nicht vorstellen können,
Sperma kleben wie damals in der Wohnung der Rosemarie Nitribitt, aber ausziehen
darf die ältere Frau sich dafür (wofür?) nicht, ich spreche selbstverständlich
nicht von der Decke, sondern von dem Menschen darunter oder darüber, je
nachdem, was gewählt wurde, das ist wiederum seine Bedingung, des Knaben
Vorbedingung, die er aus seinem Wunderhorn gezogen hat, neben vielen anderen
Bedingungen, und sie sind alle, die Bedingungen, vor allem diese letzte, sind
alle aus einem langen vorangegangenen Handel hervorgegangen, und wir sind sehr
froh darüber, daß die beiden sich das zuvor ausgemacht haben, so dürfen wir
Ihnen diesen Anblick hier ersparen, denn er ist jeden Moment vorbei, und er
geschieht in jedem Moment, doch was dürfen wir stattdessen servieren?, ein
stilles Wasser?, die Frau darf sich nicht ausziehen, sonst, wenn sie es täte,
müßte sie dem Burschi mindestens einen Porsche kaufen, und mehr Auto als einen
Porsche kenne ich persönlich nicht, es gibt aber sicher mehrere Autos, die in
dieser Kategorie in Frage kämen, in jeder Wochenzeitschrift sind mehrere
angeführt, Sie kennen sie gewiß, bitte entschuldigen Sie meine Unkenntnis, die
Ihnen sicher auch anderswo schon aufgefallen sein wird, da ich Ihnen
jahrzehntelang dieses Lied, immer das gleiche, vorgesungen habe, nur ist meine
Stimme mit dem Alter leider brüchig geworden, rauh, auh (blöder Witz), jetzt
ist sie mir auf die Zehen gefallen, meine eigene Stimme!, die traut sich was!,
und war immer noch hart genug, um mir ziemlich wehzutun, Kunststück!, sie ist
ja aus Blei, wird aber nicht mit Bleistift aufgeschrieben. Meine Stimme, die
mit nichts übereinstimmt und dauernd überstimmt wird, kommt aus der Elektronik.
Seien Sie froh, daß Ihnen meine Stimme nicht gefallen hat! Das Erlöschen meiner
Stimme ist viel einfacher, als wenn sie aus Blei wäre, mit einem blöden Blei
hingeschmiert. Da haben Sie nochmal Glück gehabt. Vielleicht hätte ich meinen
Mund sonst noch für was andres benützt als zum Singen. Der junge Mann fühlt in
seiner Unfühlbarkeit doch das eine, daß sie sich als eine Fehlende,
Ungenügende, Alte zu ergänzen und vervollständigen hat, und dafür braucht die
Frau ihn. Dafür braucht sie ihn, als wäre er ein öffentlicher Park, für jeden,
da sind wir nicht kleinlich, auch für Kinder und Ausländer als Fußballkäfig
geeignet!, zur Benutzung freigegeben den Buben der Welt, den Königen der Welt,
nur die Nationalität und die Farbe müssen jetzt noch stimmen, dann können sie
schon loslegen. Da liegt er nun also, wie bestellt und gleich abgeholt und
ungehobelt, der Bursch, und er wartet schon, daß die Lehrerin wieder einmal,
damit sie einmal selbst was lernt, seinen Schwanz in den Mund nehmen wird.
Bitte, ich will ja gar nicht mehr erzählen, ich will umschreiben, daß ich es
nicht kann, aber dieser eine einfache Satz ist mir doch gut gelungen, oder? Und
gleich so oft! Jedesmal gelungen! Sie können es sich vorstellen, Sie können es
nachvollziehen, falls Sie noch können. Bravo. Beim ersten Mal, da ich ihn
benutzt habe, war er noch nicht so gut, aber jetzt ist dieser Satz gut
abgelegen und läßt sich ordentlich schneiden, der ist nicht mehr so zäh wie am
Anfang, da das Wort war, an irgendwas muß man sich ja schneiden, wenn man seine
kleine schneidende Ausdrucksweise zu singen hat, ja, ich singe nur privat, im
Bad, öffentlich singe ich nicht mehr, man hat mir bedeutet, daß es nichts
bedeutet, was ich zu singen hätte, und dabei haben Sie noch lang nicht das
Ganze gehört! Aus dem gibt es, wie aus der Lust, keinen Ausweg, aus diesem
strengen Ton-Satz, der auch zu mir streng ist, da kennt er nichts, und ich, ich
kenne auch nichts, nein, ich kenne nichts. Der kommt unweigerlich, wie die
Lust, auf Sie zu, dieser Satz, machen Sie das Beste daraus, machen Sie ihm
nicht den Garaus, machen Sie sich nichts draus, aber nein, das können Sie ja
nicht, das habe schon ich gemacht, nein, ich mach mir auch nichts draus, aber
vielleicht können Sie ihn ja brauchen, den Satz. Und wenn nicht: Suchen Sie
sich einen anderen! Hier ist schon einer, der erneuert werden möchte. Nein,
doch nicht. So wie geschildert, wenn auch sehr ungenügend, ich kann es nicht
besser, ich kann die Renovierung dieses Satzes nicht alleine schaffen, ich
brauche einen guten Handwerker und einen anderen auch, und Schilderungen
langweilen mich sowieso, wenn nicht beim Lesen, so doch mit Sicherheit beim
Schreiben, aber so ist es mit ihr, dieser Frau, fix ausgemacht. Abgemacht. Es
gilt. Und daß er ein Auto geschenkt bekommen wird, wenn er der Frau fest und
heiß in den Mund spritzt. Ich verstehe nicht, wie man ein so schlechtes
Geschäft abschließen kann, da könnte man es ja gleich offen lassen. Aber was
verstehe ich schon? Ihr Geschenk liegt also bereits da, es ist aufgetragen, es
ist vorgelegt, sie selbst hält sich für ein Geschenk Gottes an die Menschen,
doch wir wollen diesen Austausch auch einmal von seiner, des Knaben Warte aus
sehen, oder?, doch, doch, der hat sich allerdings was andres gewünscht, jetzt
ist er das Geschenk, und er ist, ob er will oder nicht, schon halb
ausgewickelt, dieses wunderbare Geschenk in bester Körperform können wir hier
leider nicht persönlich begutachten, Sie müssen sich schon auf mein Wort
verlassen, vom Laufen und Basketballspielen und Schwimmen ist der Bursch bis an
die Grenze seiner Aufnahmefähigkeit gekräftigt und durchsäftigt (ich meine
damit aber nicht, daß Wasser in ihn hineingelaufen ist). Durch nichts zu
besänftigen, und selber unersättlich ist er, der junge Mann im allgemeinen und
dieser hier insbesonders, bis er selbst etwas abgesondert haben wird. Da wird
er nicht drum herumkommen, nicht besänftigt werden zu können, wenn er einmal
angestellt ist, nein, wenn er einmal falsch eingestellt ist?, nein. Die Frau
darf ihm auch das T-Shirt hinaufschieben und seine Brustwarzen ein wenig
herumzwirbeln, zwischen drei Fingern, wie eine Majorette mit ihrem stabförmigen
Requisit, oder wie mit diesem Routinegriff, den ich aus unzähligen Pornos
kenne, als würde ein geübter Handwerker mit einer halben Drehung eine Schraube
ganz hineinkriegen, ohne Akku-Schrauber, der ihm die Arbeit sehr erleichtern
könnte, aber bitte, wenn er ohne will, dann eben ohne, doch das, was am Körper
hervorragend ist, ich meine, was an ihm hervorragt, das bleibt nicht, es ist
das, was grade jenseits Ihres Horizonts verschwindet, wie die Lust, die
ebenfalls nie bleibt, sie ist unfolgsam und rennt sofort weg, wenn sie fertig
ist, wenn die Menschen von ihr ganz fertig sind (und muß mühselig immer wieder
aufgerufen werden), aber leider die falsche Nummer abgezogen, ich meine aus dem
Spender gezogen haben, und gar nicht erst zur Lust drankommen sind, bzw.
drangenommen wurden; sie ist öfter weg als da, die Lust, nein, sie ist jetzt
ganz weg, wie mein Schreiben oben am Rand des Schirms verschwunden ist. So nahe
kommt man einem andren Menschen nicht oft, außer er wird beschrieben, wenn auch
nicht von mir, im von mir Beschriebenen könnten Sie überhaupt nichts erkennen,
ich mache das ja auch nicht für Sie, Sie dürfen so nebenher mitlaufen und nach
mir schnappen, wie diese Frau mit den großen Zähnen, die Kannibalin und Mutter
(irgendwie ein ökologisches Selbstentsorgungssystem?), aber erwischen werden
Sie mich nicht, und erkennen werden Sie in meinem Schreiben auch nichts, was
Sie nicht schon vorher gewußt hätten. Wen auch immer Sie erkennen können, in
meinem Schreiben werden Sie es nicht, nicht einmal, falls Sie es bereits kennen
würden, man kommt andren Gegenständen aber schon recht nahe, sie bestimmen u.
a. unser Kaufverhalten, dem jungen Mann ist das etwas unangenehm, fast
peinlicher noch, als wenn sein Schwanz in ihrem Mund steckt und ihr klebriges
Lip-Gloss (Billigmarke, ja, Schönheit kann man sich um jeden Preis kaufen)
draufgeschmiert kriegt, Pink Extreme, oder war es Peach Extreme?, das er
nachher mit einem Papiertaschentuch wird abwischen müssen, weg, Orgasmus! (das
ist für ihn ungewohnt, weil er ja immer nur herbeigerufen wird), her,
Erfahrung!, er wird sich nach diesem irgendwie auch extremen Erlebnis, das man
aber niemandem erzählen kann, gründlich abputzen müssen, gerade weil es so
unverhältnismäßig extrem sein wird, vergleicht man es mit den handelnden
Personen, die sehr normal sind, fast zu normal, sogar von meinem Blickwinkel
aus; ich habe zum Glück ein sehr normales Verhältnis zum Normalen und verstehe
es auch selbst gut, aber für mich ist leicht was normal, weil ich alles andre
meide, das heißt überhaupt alles meide, wo war ich noch gleich?, ach ja, aber
ein Verhältnis hat der Blick, nein, der Bub, der ganze Bursch, deswegen mit
dieser Frau noch lange nicht, und vielleicht ist das, was ich nicht erlebt
habe, aber trotzdem beschildere, sonst wüßten Sie ja nicht, was Sie da sehen
(ich komm mit dem Beschriften der Schilder kaum nach, so schnell geht das
alles, und wenn es vorbei ist, fängt es sofort wieder an, aber woanders! Und
ich renne mit meinen blöden Schildern von hier nach dort, wo bin ich, Jesus,
dein bin ich, nur wo?), gar kein Erlebnis, denn wenn man es nicht erzählen
kann, ist alles nichts wert, wenn man es nicht zeigen kann, existiert es nicht,
fragen Sie das Fernsehn, das überall ist und alles sieht und überall gesehen
werden kann! Und wenn Sie dies hier nicht wollen, steigen Sie einfach aus und
aus! Auf solche Reize, die ihm hier geboten werden, reagiert der junge Mensch
nicht, weil er die Reize nicht sieht, das Gebotene nicht erkennt, Gebote nicht
anerkennt, außer vielleicht bei Ebay, und auch keine andren Reize an Brigitte
erkennt, mit Ausnahme eben des vielbesagten imaginären Autos, das da kommen
wird wie ein Erlöser, doch das ist halt ihr Nachtisch, auf dem sie besteht, der
Nachtisch besteht darin, daß er kommen muß, endlich aus sich herauskommen muß,
der Bursch, und zwar in ihrem Mund. Der ist zwar genauso alt wie sie, aber noch
aufnahmefähig. Warum nicht, der andere Mensch ist nicht grundsätzlich ein
Feind, oft aber doch. Jeder Mensch ist ausnahmefähig. Es ist ausgemacht, daß
sie den Buben nicht anfassen darf, aber sie kann nicht davon lassen, denn seine
Schönheit macht sie geradezu schlottern vor Verlangen. Dafür kann man schon
einiges riskieren. Die Jugend, die man sich nicht kaufen kann, wenn sie weg
ist, aber in einer anderen Gestalt, in Gestalt dieser Creme beispielsweise, ich
sage absichtlich nicht, welcher, damit ich sie für mich alleine habe und als
einzige nicht altere, kann man sie sehr wohl kaufen, die Jugend ist ein großer
Anreiz, ich meine ein großer Reiz, das gebe ich zu, auch für mich, weil jede
Creme letzten Endes doch versagt und das Ende kommt, ich hätte sie bitte schön
gern wieder zurück, weiß aber nicht, von wo nehmen und nicht stehlen, weiß auch
nicht, wo die wieder hin ist, ich glaube, sie ist schon wieder, auf einer
Illusion sitzend, in die Parfümerie gerannt oder geritten. Ich hatte sie doch
mal, wo ist sie bloß hin? Ich muß sofort auch in eine Parfümerie gehen. Mir
kommt alles abhanden, andres wieder geht mir recht flink von der Hand, ist aber
auch rasch wieder weg. Von nichts kommt nichts, und da kommt es ihm schon, dem
jungen Mann, auch für ihn kommt der nächste Tag, aber vorher kommt es ihm noch
selber, da wird er das wieder tun müssen für die Schule und fürs Leben, und
zwar weil er und ein Auto einfach ausgezeichnet zusammenpassen würden, diese
Beziehung sollte geknüpft werden, und zwar möglichst bald, die Logik dehnt sich
hier ganz schön, bis zum endlosen Horizont dieser Zeitung, mindestens bis
dorthin, sie krümmt sich, weil sie ein Häkchen schlagen möchte, das ich aber
zuvor bereits eingeschlagen haben müßte, angebracht haben müßte, was für ein Glück,
daß ich mein Schreiben wenigstens nicht mehr anbringen muß, nehmen Sies oder
lassen Sies sein, bitte, hier haben Sie es!, ich male nicht, ich dichte, ich
träume nicht, ich dichte, die Frau Lehrerin träumt von diesem Körper, dafür
nimmt man einiges in Kauf, dafür muß man einiges kaufen, man hat derzeit aber
noch nichts oder nur wenig in Zahlung zu geben, es bleibt einem ja nichts
erspart, man hat mit einem erfolgreichen Menschen erst eine gewisse
Ähnlichkeit, die muß aber noch besser werden, die Ähnlichkeit, man ist in einer
Vorstufe, einer frühen Bauphase einer Karriere, für die Männer vom Land bestens
geeignet sind, wenn eine aufnahmebereite Stadt sie endlich annektiert, na,
heute hat er aber echt ihre Zähne zu spüren gekriegt, kann sie das nicht besser?
Hat sie das nicht schon besser hingekriegt, hat sie sich nicht schon besser
hingerichtet? Er hat es ihr oft gesagt, daß das Beißen der schlanken und doch
kräftigen Gestalt seines Schwanzes wehtut, sie hat sie ja noch alle, oder hat
sie sie nicht mehr alle?, ich meine, sind das alles überhaupt noch ihre
eigenen, oder sind das ihre lieben Dritten, willkommen, etwa aus Ungarn
stammend, früher Österreich-Ungarn? In der Werbung für Kuki kann man das oft
nicht unterscheiden, das ist ja der Dreh dieser Werbung, in der zwei ältere
Menschen, ein Mann und eine Frau, im Kino Popcorn spachteln oder halt eine
ähnliche Situation. (Bitte mißverstehen Sie mich jetzt nicht, ich spreche
nicht, wie Heidegger, vom Grafen Kuki, an dessen Grabschrift einst über ein
Jahr gearbeitet wurde und von dessen Grab und von dem Hain, darin es steht, ich
eine Aufnahme besitze. Doch ich würde Begriffe benötigen, um das zu fassen, was
Sie als Kunst und Dichtung angehen würde. Ich benötige keine Begriffe, und
Kunst und Dichtung gehen Sie gar nichts an! Die gehen nur mich was an. Es ist
daher nicht nötig, meinem Begriffssystem nachzujagen, was Sie ohnedies nicht
tun, jedoch werden Sie angesichts der modernen Technisierung irgendwann einmal
eins brauchen, denn vor dieser gibt es kein Ausweichen mehr, aber meins wird
sich dafür nicht eignen, mein Begriffssystem, dafür muß sich diese mitreißende
technische Welt auf Vordergründiges beschränken, ah ja, gut, das mach ich eh
schon, ich beschränke mich sowieso nur aufs Vordergründige, aber Sie meinen wahrscheinlich
einen andren Vordergrund als meinen, na ja, schieben Sie ihn sich in den Arsch,
von mir aus, von mir aus gesehen, ist dieser Vordergrund nämlich hinten). Wegen
der Haftstärke ihrer Zähne, Graf Kuki, haben Sie noch nichts eigens ausgemacht,
kein Extra? Nein?, vielleicht noch einen CD-Player dazu, den man sich in seinen
Kopf einbauen lassen kann? Oder eine lieblich giftige, metallene Zahnplombe,
die in der Nähe starker Mittelwellensender wie ein Rundfunk-Detektor
funktioniert (falls sich dort eine als Diode geeignete Oxidschicht gebildet
hat, weil Sie sich nicht die Zähne geputzt haben), Sie können dann allein mit
einem Ihrer Zähne Radio hören? Jawohl, können Sie. Um den Ortssender zu hören,
legen Sie einen metallenen Topfdeckel zwischen Herd und Spüle, das geht auch.
Bloß mit den künstlichen Beißern ginge es nicht. Vielleicht ein Einbau-iPod
gefällig? Mit ihren Dritten (Entschuldigung, aber das sagt man halt so bei uns,
wenn man ein hoffentlich künstlerisch-unregelmäßig gestaltetes künstliches Gebiß
trägt, mit dem man vorsichtig reden, essen, singen und sägen muß, außer man ist
ein 19-jähriger Kannibale: Deutscher frißt Österreicher! Mit ungarischen
Zähnen!, nein, der Junge hatte natürlich noch seine eigenen, natürlichen. Das
haben die immer schon gemacht, schon unterm Hitler, und jetzt machen sie es
schon wieder, die Deutschen, sie fressen uns, sie schlucken uns: Es scheint,
daß eine Vermischung von natürlichen und künstlichen Zähnen nur in einer
Brücke, und nicht einer zwischen der asiatischen und der europäischen, sondern
einer Brücke im Mund stattfinden kann, die allerdings stärker mit diesem
Menschen, diesem weiblichen Menschen, verhaftet wären als der boshafte
Möchtenichtgern-Liebhaber, er möchte aber ohnedies gar nicht, jetzt habe ich
vergessen was) könnte sie es wohl kaum riskieren, ihn wirklich so fest zu
beißen, haben Sie schon daran gedacht? Man müßte sie vorher rausnehmen, die
Dritten, auch Friedhofszähne genannten (oh, jetzt weiß ich gar nicht, ob sie
Mama gemeinsam mit ihrem Gebiß begraben haben! Wahrscheinlich, denn es war
nachher nicht mehr da, aber vielleicht hat meine Nachbarin sich gedacht, es
könnte einem Rom in Rumänien noch passen und es auf ihren Hilfstransport
dorthin genommen), für die doch ausdrücklich Kuki verschrieben wurde, damit man
sich verständlicher ausdrücken kann, da die Zähne im Munde zuverlässig
festkleben, den Reichtum des Begrifflichen nicht mißbrauchen können und man sie
von den zweiten nicht unterscheiden kann, zumindest rein äußerlich. Es wird den
Menschen öfter etwas verschrieben, ein Rezept, damit sie der Natur wieder
ähnlicher werden. Aber das Saugen an
seinem Schlauch und das Herumdrücken an seinem Gerät beherrscht sie ganz gut,
die Geigerin (und er kann sich davor nicht drücken, der Knabe), ungefähr so,
als wäre sie eine Bläserin. Die alte Bläserin, hätte der Wolfi B. immer gesagt,
nein, nicht immer, aber immer öfter, jetzt sagt er gar nichts mehr, er ist tot.
Wo übrigens hat sie ihren Alkoholpegel erhöht? Aha, noch im Kleinwagen hat sie
das getan, die Frau Lehrerin, die Frau Fachlehrerin, und dort ist sie kurz
sitzengeblieben, selber recht klein geworden dort in ihrem Fach, bis ihr
schlagartig die Veränderung dieser Kammer, dieses Fachs, klarwurde, natürlich,
wie üblich, unter Alkoholeinfluß, aber so geschieht alles in diesem Land, es
geht nichts ohne den Einfluß dieser harten Getränke und des weichen
schmiegsamen Weins, falls die Menschen lieber weich und nachsichtig miteinander
sind, wenn auch nicht zueinander (allein diese Frau, die auf der Butterfahrt eine
Axt gekauft und sie dann ihrem Lebensgefährten über den Schädel gedroschen hat,
allerdings mit dem stumpfen Ende voran! Man stelle sich vor! Man stelle sich
an, beim Tod herrscht wieder einmal Stau. Aber so blöd stellt man sich doch
wirklich nicht an, daß der Mann das dann auch prompt überlebt!), nein, es geht
nichts weiter, und hier schon gar nicht, es wird also eine Veränderung ihrer
Schreckenskammer festgestellt, Brigittes Kammer, um ihren teuren Namen, der
mich jedoch gar nichts gekostet hat, es gab ihn nämlich schon, wieder einmal
auszupreisen und dann auszusprechen, eine Kammer, die sie, fleißig die Augen
heftend, ob sie jemand sieht, zum Körper des Jungen tragen wird, wobei sie erst
ihre Wände, dann ihre Würde verlieren wird, wie ich noch feststellen werde. Die
Farben wirken auf einmal verschwommen und unbestimmt, lese ich hier bei einem
Dichter, der, im Gegensatz zu mir, im Vollbesitz seiner Worte war. Damals waren
Worte aber auch noch was wert. Heute gibt es einfach zuviele von ihnen, also
ich habe genug von ihnen, ich habe genug, ich habe vollauf genug. Meine liebe
Frau Müllerin, marsch, runter den Bach, oder ich muß sterben!, ja ja, ich weiß,
das ist Ihnen egal! Die Pflanzenfarben leuchten nun, und von Augenblick zu
Augenblick wächst ihr erschreckender Glanz, welcher diesen gespenstischen und
teuflischen Bildern ein Aussehen verleiht, das selbst stärkere Nerven als ihre
schaudern machen würde. Mein Gott, was redest du da, du blöde alte Ziege E. J.,
kurz Die Oide genannt, evtl. auch gschissene Oide, wie mich der Bruder meiner
Freundin N. einst nannte, hochmütig wie zweihundert appetitlose Anorektiker,
die ja grundsätzlich alle anderen Körper, bloß weil es sie noch gibt, außer
ihrem eigenen, verachten. Aus einem japanischen Kleinwagen machst du eine Schreckenskammer
der Inquisition, und nicht einmal die hast du dir selber ausgedacht, Alte! Ja
spinnst du jetzt komplett? Du kannst doch diesem großen Dichter nicht einfach
seine Worte wegnehmen! Was bleibt denn dann noch von ihm? Was bleibt denn dann
ihm? Es soll ihm nichts bleiben, ich werde ja auch nichts zurücklassen. Falsch.
Er wird bleiben, egal, was ich mit ihm mache. Das wird alles Papiermatsch, der
sich langsam gegen mich und vielleicht auch gegen Sie verhärtet, dem können Sie
nur entgehen, indem Sie dies am Bildschirm lesen, so ist es von mir gedacht.
Denn was nicht gedruckt ist, ist schneller wieder vorbei, und dann haben Sies
hinter sich. Ein fester Schuh tritt Ihren Gesichtskreis ein, und dann geht er
weg, er ist das stumpfe Ende der Axt und wird Ihnen nicht viel tun, er wird
vielleicht ein Loch machen, aber ein tiefer Schnitt wäre viel schlimmer, aus
dem Sie in Versuchung geraten könnten, die Eingeweide herauszuziehen und zu
essen, nein, die nicht, es gibt bessere Teile am Menschen, solche, die nicht
wie Gras schmecken, obwohl sie Gras sind, wie alles Fleisch. Aber irgendwie,
ich weiß nicht, Verletzungen sind Gaben, die zwar unerwünscht sind, aber
dennoch einen tiefen Eindruck machen; die Zerstörung der Umwelt durch unsere
Abgase bewirkt aber, daß die Umwelt danach irgendwann mal völlig verlorengeht,
nachdem zuerst ein Loch hineingemacht wurde, durch das sie wieder hinaus kann.
Aber angeblich ist das Ozonloch jetzt auch verschwunden, weil wir die Treibgase
angetrieben haben, endlich abzuhauen, weil sie sonst unser Ende sind, wir haben
sie aus unseren Dosen vertrieben, und dafür ist Bäris Hilton in diese Dose
gekommen, keine Ahnung, wie. Es passiert nicht nur, daß sie sich um die
Menschen immer enger zusammenschiebt, ich glaube, ich meinte die Zerstörung im
allgemeinen und die menschengemachte Zerstörung im besonderen, ja, wir keuchen,
ringen nach Luft, und wir weichen vor dem glühenden Metall in die Mitte unserer
Zelle zurück, und Gedanken an die Kühle von Brunnen werden Balsam für unsere
Seelen, wir eilen an den Rand und spähen in die Tiefe, die uns droht. Und wir
spähen auf die Gletscher, die zu verschwinden drohen. Und wir starren auf die
Meere und Seen, die zu verschwinden drohen. Nur wir verschwinden nicht. Wir
drohen gern, doch wir verschwinden nicht. Alle drohen sie auch uns, was haben
wir getan? Wieso werden wir dermaßen bedroht von der Natur? Bitte, wir haben
ihr sicher viel angetan, aber das ist doch kein Grund, uns dauernd zu drohen!
Aha, die Pasterze droht uns jetzt ebenfalls, das ist ja ganz was Neues, und
alle drohen sie damit, zu verschwinden (ich meine, sie drohen, mit sich zu
verschwinden). Ich, für meinen kleinen Anteil, den ich mir genommen habe, ich
würde gern verschwinden, das ist der schönste Gedanke für mich überhaupt, aber
ich kann das nicht bewerkstelligen, nicht mit meinem armen Werkzeug jedenfalls.
Aber ich kann dafür meine Papiere verschwinden lassen, die mein Leben waren,
doch höchstens unter anderen Papieren, wo man sie nicht suchen würde, doch zur
Sicherheit werden sie dann umweltfreundlicher Wärme-, Kälte- und
Schalldämmstoff für Häuser, und zwar passivhaustauglich, echt aus Österreich?,
also passiver als ich könnte wirklich niemand sein. Ein original österr.
Erzeugnis? Das würde mir gefallen. Kälte und Wärme will ich draußen- bzw.
drinnenlassen, je nach Wunsch, meine hinterlassenen Schriften wollen wir mal
weglassen; und da es zu meinen Lebzeiten ja kaum nach meinen Wünschen gegangen
ist in diesem Österreich, soll wenigstens mein Werk nach meinem Tod diesen
förderungswürdigen Zielen dienen, daß man immer genau das andre will als das,
was man hat. Ist es kalt, könnte man es mit Hilfe meines Werkes warm haben und
umgekehrt. Was von draußen nach drinnen dringt, soll eingedämmt bzw.
umgewandelt werden. Und umgekehrt. Ja, das würde mir gefallen. Und passiv bin
ich, wie gesagt, sowieso immer gewesen, also will ich nun jedem passiven Haus,
das den Wunsch nach meinem Werk fühlt, das natürlich zuvor eine Metamorphose
mittels Klebers durchlaufen haben sollte, in meiner bewährten Passivität dienen.
Daß mein Denken scheinbar willkürlich plötzlich zur Dämmerung, nein, zur
Dämmung von Wärme und Kälte eingesetzt würde, das wäre für mich das Höchste,
das Schönste, und ich werde es erringen, mit meinem Werk, jawohl. Schauen Sie,
seien wir uns ehrlich, es ist doch so: Wenn die Gefahr besteht, daß das Sein
Macht erringen will, muß man auf der Stelle dieses Dämm-Material draus machen,
damit es bescheidener wird, ein Material, welches dann nicht mehr wegrennen
wird können, das macht einen dann erst recht unsterblich, doch keiner weiß,
warum das Sein ausgerechnet in dieser Form konserviert werden mußte, es wäre
vielleicht auch anders gegangen; es muß das Außen vom Innen abgehalten werden
und umgekehrt. Die Umwelt ist in uns hineingefallen, aber mit dem guten
Dämmstoff, welcher sich für Dach, Decken, Wände und Böden eignen würde, diesem
Stoff aus meinem Dichtungsmaterial, für das ich ja seinerseits genügend Stoff
gebraucht habe, den ich allerdings nicht wirklich zur Gänze umwandeln konnte,
er hätte sowieso nicht gereicht, Sie sehen es ja selbst, Sie sehen es hier,
nein, ich konnte es nicht, mit diesem Stoff jedoch hätte ich verhindern können,
daß Unerwünschtes rein und Erwünschtes rauskommt, das aber allein von mir
gewünscht ist und sonst von niemandem, da bin ich mir sicher. Natürlich wäre es
mir lieber gewesen, ich hätte das durch meine Dichtung direkt bewirken können,
aber Sie haben es anders gewollt, Sie wollten meine Dichtung nicht, also müssen
wir jetzt, mit Goethes, Gottes und der österreichischen oder der deutschen
Zellulosedämmstoffproduktion Hilfe Dämme erbauen, nicht gegen unsere
Mitmenschen, sondern damit das Wasser der abgeschmolzenen Gletschermassen nicht
zu Ihnen ins Haus kommt. Ja, genau, ich habe es jetzt selbst erkannt:
Wasserdicht ist das nicht, was ich da schreibe, aber wasserdicht wird dafür
dann wenigstens mein Dichtungsmaterial für Ihr Haus sein, oder doch nicht? Das
wäre fatal, wenn ich das Resultat der Verklebung meiner Dichtung mit andrer
Dichtung und Dämmung nicht gemeinschaftlich mit den reißenden Kräften der
metallenen Maschinenkiefer bewirken könnte, wenn ich es nicht hinkriegen würde,
daß das Haus Österreich und jedes andere individuelle, aus Bundesmitteln
geförderte Privathaus, das mich in der Dämmerung, da es mich nicht so genau
sehen konnte, als Dämmung gewählt haben würde, wenn das so sorgfältig da
hingeklebte Dichtungsergebnis also negativ ausfiele und das Wasser plötzlich
zur Tür reinkäme und die Wärme deshalb still auf Zehenspitzen hinausginge (oder
die Kälte, je nachdem, ganz wie gewünscht), ist ja klar, daß es mich kränken
würde, wenn das nicht funktionierte, so wie ich mich über die Reaktion auf
meine Dichtung auch immer so gekränkt habe, falls sie nicht wie erwünscht
ausgefallen, sondern zum Glück vorzeitig aussortiert worden ist, nun ja, klar
ist das alles vielleicht nicht, jedenfalls Ihnen nicht, und höchstens nur ein
bißchen werde ich das können, das Dichten und das Eindämmen, wenn die
Papierstreifen mit einem speziellen Kleber zu Unzertrennlichkeit für die
Ewigkeit zusammengebacken worden sein werden, ich freue mich schon so darauf.
Ich werde mich bemühen, daß das klappt. Daß eine lückenlose Füllung durch meine
Dichtung entstehen wird können, wenn meine Dichtung in die Hohlräume der Decken
und Wände eingeblasen, würde mal sagen, eher: reingestopft werden wird, nachdem
der ganze Dreck durch die Zugabe von Borsalz auch noch schwer brennbar gemacht
worden sein wird, ja, das ist auch gut, denn verbrennen wird man meine Dichtung
dann nie mehr können, keine Bücherverbrennung mehr, das ist vorbei; man wird
halb Griechenland verbrennen können und ein Vierterl Italien und ein Achterl
Kalifornien, aber meine Dichtung nicht, die wird standhalten, ich muß ja
vorausschauen, auch was die Dämmung betrifft, das Haus soll schließlich nicht
nach einem Jahr umfallen oder dem Verfall preisgegeben sein, weil es nicht
genügend gegen die Natur draußen eingedämmt (und natürlich die Natur gegen mein
total unnatürliches Werk) worden sein wird! Es wird mich in Mattenform geben
oder eben als amorphe Masse, die man eingeben, ich meine dem Haus hinten und
vorn reinstopfen wird können, siehe oben, diese Mattenform wird flexibel zum
Einklemmen bzw. zwischen Sparren erhältlich sein, ja, den Sparren locker habe
ich auch, aber meine Dichtung wird tapfer dagegenhalten und für Festigkeit
sorgen, zwischen den Sparren, und es wird sie in verschiedenen Dämmdicken
geben. Haben schon gewählt? Sehr guter winterlicher Sommerschutz bzw.
sommerlicher Winterschutz! Dafür garantiere ich mit meinem Namen, das ist mein
Extra. Vielleicht darf ich sogar zuschauen dabei, wenn dieser Vorgang vor sich
geht und dann endlich verschwindet, hinter einem anderen hergehend? Wir fallen,
keine Dichtung hält uns auf, der Flansch, die Nut, der Sparren, die Sperren,
was weiß ich, was weiß eine unheilbar Fremde, und das Fremde sollte, wenn es
sich schon hertraut, wenigstens heilbar sein, meinen Sie nicht?, diese
Halterungen oder wie soll ich sie nennen, die gehen auf, die halten bald nicht
mehr, die halten vielleicht nicht mehr, was sie doch halten sollen, das seh ich
schon, und wenn die nicht halten, dann hält uns nichts mehr, da unsere
Außenwände, unsere Außenwelt sich um uns jetzt immer enger zusammenschiebt, bis
sie ihre Form vollkommen verändert hat und vollkommen einfach überhaupt nicht
mehr ist, ja, auch die Form des Autos, die wir willkürlich festgesetzt haben,
denn wir hatten die Auswahl zwischen mehreren Modellen in ein- und derselben
Preisklasse, aber Klasse haben wir schließlich selber, nicht nur das Auto, in
dem wir festsitzen, bis die letzte Leasingrate es uns wieder freigibt,
freischaltet für die wunderbare Freiheit des schuldlosen Fahrens, ich meine des
schuldenlosen, nur um uns noch tiefer hineinzureißen in den Abgrund, der
jenseits dieser Brücke war, das weiß ich genau, dort war er vorhin noch, wir
versuchen ohne innezuhalten zu begreifen, was geschieht, können es aber nicht,
unser Raum ist klein und eckig gewesen und recht gut überschaubar, mindestens
so gut wie der Körper des jungen Mannes, den die ältliche Frau bis zum Schwanz
zumindest recht gut überschauen und nicht übersehen konnte, nun aber hat unser
Gelaß sich auf einmal zur Form eines Rhombus zusammengeschoben, das kommt
vielleicht auch davon, daß man nicht ordentlich gedämmt hat, daß man die
Außenwelt nicht sorgsam genug gegen die Innenwelt abgeschirmt hat, und jetzt
kommt das, was außen war, ungebremst nach innen, es fährt!, es fährt!, das
hätte ich ja nie gedacht, daß sowas überhaupt fahren kann, es muß sehr
benzinsparend fahren, denn ich kann mich gar nicht erinnern, je getankt zu
haben, die Winkel, die vorher stumpf waren von all ihren Winkelzügen, sind
plötzlich spitz geworden, zwei davon, die andren beiden folglich stumpf. Der
fürchterliche Unterschied wächst rasch und mit leisem Poltern und Ächzen, die
Umwelt kommt zu uns, da wir zu selten, und wenn, dann rücksichtslos, zu ihr
gekommen sind, sie kommt in unser gemütliches Wohnzimmer herein, völlig
unwillkommen, völlig ungedämmt (habe ich denn mein Werk zu spät schreddern
lassen? Hätte ich das vorsorglich nicht schon früher tun sollen? Aber ich
wollte schließlich für mehr Material sorgen, damit dann auch mehr damit gedämmt
werden kann), zumindest in dieser entsetzlichen neuen Form, die wir uns im
Katalog und in der Natur nicht ausgesucht haben, unwillkommen, sie soll bitte
noch einmal, aber in ihrer ursprünglichen schönen viereckigen Form kommen, dann
wäre sie willkommen bei uns, aber so – nein danke! Und in der Mitte die Grube,
in die wir alle müssen, wenn auch nicht alle in dieselbe, denn die Zeit der
Massenerschießungen in Kiew, Lemberg, Luzk oder sonstwo sind ja
glücklicherweise vorbei, mehrfach schriftlich festgehalten und werden kaum noch
geleugnet, jetzt kommt jeder Tote in seine eigene, die er sich nicht selbst
gegraben hat, egal, er muß rein, manche zu Mama und Papa und den toten
Geschwistern, aber doch runter ins Loch, in den Tod, marsch, und was hat die
Umwelt, die wir eh ruiniert haben, denn jetzt schon wieder?, schon wieder
Forderungen, was?!, dauernd ist was mit ihr, und wie soll ich sie sonst nennen
als Umwelt? Sie ist und bleibt schließlich draußen, versehen mit den Tröstungen
meines beschmierten Papiers, Sacklzement, sakra!, das endgültig, aber was ist
schon endgültig, da ich mit dem Dichten schon so viele Fehler gemacht habe,
wird vielleicht auch die Dichtung, die zu Dichtungs-, ich meine Dämm-Material
wurde (alles ein- und dasselbe, wenn Sie mich fragen), nicht ausreichend für
ihre Aufgabe sein, dennoch, ich freue mich immer noch darüber,was hat diese
Umwelt, der ein Damm von mir gebaut wurde, denn ich kann schließlich nicht über
alles schreiben und das womöglich noch gleichzeitig, ich muß ja was
aussortieren bzw. auswählen, nicht wahr, was hat die damit zu tun, frage ich
mich, nichts, aber was immer sie getan hat und wir ihr angetan haben, das Loch ist
in der Mitte, und wir müssen hinein, weil die Umwelt in uns eingefallen ist wie
ein feindliches Heer (es gibt einen Punkt, da werden Sie sich nach meinen
Schmierereien, wenn auch mit den letzten Tröstungen von Klebstoff versehen –
der ist der letzte, ultimative Kick, dazu muß man ihn allerdings einatmen,
aufschnüffeln, aufspüren – wieder in Dichtung umgewandelt, zum Glück aber in
eine ganz andre, das wollten Sie doch so, da Sie meine originale Dichtung ja
nicht wollten, das haben Sie inzwischen so oft fleißig hingeschrieben, daß
sogar ich das jetzt glaube, daß ich dazwischen gehöre, als tobende
Dämmmaterialschlacht zwischen die innere und die äußere Mauer zwischen mir und
allen übrigen Menschen, aber Sie werden sich nach meinem Geschmiere noch
sehnen, wenn es eine verklebte Wurst oder eine Art Pastete sein wird, in die
man alles reintun kann, die man dann aber höchstens noch als Slip-Einlage fürs
Haus kaufen kann, das sage ich Ihnen! Jetzt verachten Sie mich noch, aber dann
werden Sie froh sein, wenn Sie mit meiner Dichtung Ihre Wärme oder Kälte dämmen
können, wenn Sie die Welt mit meiner Dichtung eindämmen können, wenn Sie mit
meiner Dichtung vor sich hindämmern können, bevor die zu Ihnen einbrechen
kommt, jawohl!), Sie werden noch an meine Tür pochen, damit ich Sie in meine
tolle, aufregende Frauenwelt hereinlassen, aber da ist nichts, da ist nichts,
ich bin auch nichts, und wenn, dann werden Ihnen schon vorher Hören und Sehen
vergangen sein; da selbstverständlich auch meine Tür gut gegen Lärm abgedämmt sein
wird, werde ich Sie nicht hören, aber Sie werden dann wahrscheinlich schon Ihre
eigene Dichtungsmasse gekauft haben, auf die Sie hören werden, meine hätten Sie
gratis gekriegt, aber Sie wollten ja eine, die man kaufen muß, und die
vielleicht trotzdem zu einem winzigen Teil auch aus meiner besteht, wer weiß,
kein Stäubchen geht verloren, auch Ihr Staub nicht, der Sie werden werden,
nichts geht verloren, ja, und jetzt ist die Umwelt in Form von Feindseligkeit
bei uns eingefallen, Ihnen hat ja nie gefallen, was mir eingefallen ist, hä hä,
und jetzt fällt die Feindseligkeit der Welt ungebremst bei Ihnen ein, und die
ist viel stärker als meine, obwohl meine Feindseligkeit gegen Sie auch recht
groß, beinahe unvergleichlich groß ist (aber nur Neid, nur der Neid auf Ihr
aufregendes Leben steckt dahinter, sonst ist nichts dahinter, das können Sie
mir glauben), und uns kann diese viele Feindseligkeit, die da heranbraust, in
dieser Form naturgemäß nicht mehr gefallen, vielleicht gibt es ja eine dritte
Form, vielleicht kommen all die Feindschaft, all der Neid und die Wut,
vielleicht kommen die ja in flüssiger Form aus Flaschen heraus, dann werden Sie
sie wohl endlich anerkennen müssen, aber derzeit kommt diese Feindseligkeit
halt als in Waffen starrendes, wütendes Heer einher, diese Umwelt, die
Innenwelt wird, weil sie in mehreren Aggregatzuständen, jedem der seine, zu uns
ins Haus kommt, und ich kann Ihnen das Dämm-Material meiner Dichtung auch
wieder entziehen, ja, das kann ich, das mache ich aber nicht, es hat mich genug
Mühe gekostet, das hier alles zusammenzupicken, aufzupicken und dann
zusammenzukleben, ich muß ja nicht unbedingt Isolierschichten gegen diese Welt,
die mich stört, daraus machen lassen, ich muß ja nicht, wer könnte mich
zwingen?, ich könnte Sie ja der Wärme, der Kälte und dem Lärm aussetzen,
ungeschützt aussetzen, ich kann sie ja auch einfach verstecken, daß Sie sie nie
mehr finden, die Dichtung, meine Dichtung, die Dämmung soll ja auch unsichtbar
sein, wie würde das denn sonst ausschauen?, nicht schlecht für den Specht, der
sich dran versucht, es klingt so schön hohl, vielleicht sind ja Maden drin?,
aber kriegen werden Sie mich nicht, nie!, und auch nicht, was ich schreibe, wie
gut, daß Sie das eh nicht wollen, da stimmen wir also überein, ich lasse Sie
Ihre Umwelt nicht mehr als solche erkennen, ich verlasse jetzt Ihr Sein, denn
ich habe mit meinem Schreiben die Wahrheit längst überwunden und verlasse Sie
jetzt, ich überlasse Sie der Seinsverlassenheit, ich finde kein besseres Wort
dafür als das, welches schon ein andrer gefunden hat, aber in der Dämmungsmasse
wird sowieso alles drinnen sein, und es wird alles absolut gleich und
gleichgültig geworden sein, denn ich bin hochmütig genug, mein Verlassensein
als etwas zu sehen, das Ihnen fehlen wird, mir fehlt es ja jetzt schon, aber
Ihnen wird es auch einmal fehlen, Sie wissen es bloß noch nicht, so, die Natur
wird Ihnen fehlen, meine Worte werden Ihnen fehlen, und die Welt wird Ihnen
sowieso fehlen, ja, die Umwelt auch, die als gut dichtende (besser dichtend als
ich, aber das ist keine Kunst, und meine Kunst ist auch selber keine, na ja, so
oft sollte ich das vielleicht auch wieder nicht sagen, Sie glauben es sonst
noch) Isolierschicht um die Welt herum festgestopft ist wie ein gut gemachtes
Bettzeug, die gesunde Umwelt wird Ihnen auch fehlen, weil sie ihre Form total
geändert hat, das heißt, sie hat überhaupt keine mehr (und vielleicht wird mein
Papier, als Dichtung, das einzige sein, was die Welt von der Umwelt
unterscheidbar macht und beide voneinander getrennt hält, sie voneinander
separiert, damit sie sich nicht gegenseitig an die Gurgel gehen), und es ist so
lang her, daß sie uns gefallen hat, denn wir sind jetzt mit unserer Umwelt, die
wir zerstört haben, völlig identisch, falls ich das Dichtungsmaterial nicht
rechtzeitig in der nötigen Menge herbeischaffen kann, Sie können da mithelfen,
Sie müssen dies hier nur ausdrucken und dann in den Altpapiercontainer werfen,
so bleiben Sie sich treu, mir treu, und mein Werk wird beständig selbständig,
nein, stehen wird es nicht können, weiterdichten, ohne mich, helfen Sie mit mir
der Umwelt, dann sind wir schon zwei, wir sind unsre Umwelt, in der Mitte ist
das besagte Loch, ist die Grube, und in diese Grube treiben wir uns selber, wir
treiben es mit uns selber, seit die Umwelt (wie ich dieses Wort hasse! Der
Umwelt fließt derzeit viel mehr Sorgfalt zu als mir, aber auch als all den
andren Menschen, es würde aber gern noch mehr fließen, gern noch mehr!, es kann
aber nicht, weil ich sie doch so gut eindämmen könnte, wenn man mich nur ließe,
damit die Gletscher dann endlich nicht mehr fließen und das Wasser nicht mehr
aus seinem Bett kommt, um auch einmal auszugehen, leider über unsere häßlichen
kleinen Einfamilienhäuser hinweg, sehen Sie, auch da hätte meine Dichtung vielleicht
helfen können, nein, eher nicht) mit uns in eins, allerdings uneinig, gefallen
ist, und wir werden miteinander, ineinander verkrallt, in diese Grube fallen,
kein Zweifel. Das sagen alle, bloß ich sage es nicht, aber das können Sie
überfliegen und noch mehr Luft, mehr als üblich, weil das Fliegen ja
anstrengender ist als das Gehen, dabei verbrauchen und noch mehr Dreck machen.
So. Ich kann meine Phantasie nicht zwingen, daher nehme ich die eines anderen.
Diese Frau, Brigitte K., den Namen immerhin habe ich mir gemerkt, sonst weiß
ich nichts mehr von ihr, diese Frau also ist aus mir herausgeronnen, und ich
will auch nicht nachlesen, Nachlese halten, ob von ihr noch was übrig ist,
wahrscheinlich nicht, sie verwirklicht ja auch Phantasien anderer, an einem
andren Ort, nicht die eigenen, Jede Phantasie, die es gibt,
hat vorher schon ein andrer ausgespuckt, nachdem sie leider vollkommen ohne
Geschmack ausgekaut worden ist und vielleicht schon so hergestellt wurde. Also
diese hier greif ich nicht mehr an und nicht mehr auf, mir graust so. An der
hängt noch was dran, was Widerliches, und ich vermute stark, daß ich selbst das
bin. Bunte Hefte haben es in sich, ja, auch die, die so lang meine Phantasie
ernährt haben, der Rotwein hat es auch, dieses Genußmittel, das zur Ernährung
nicht unbedingt nötig ist, und der Wein, der Wein hat es freiwillig ausgegeben,
er hat sich selbst freigiebig ausgegeben, als Mittel gegen die Folgen des
leeren Ausharrens, bevor der Knabe kommt, und was ist die Folge? Die Zeit vergeht
schneller, der Kerker wird weicher, das Leben wird wichtiger, das Verlangen
wird weniger, denn man hat den Wein ja leider schon getrunken). Diese Frau hat
nicht umsonst so lang ausgeharrt, sie spürt, daß sie frei ist zu tun, was sie
will, und sie hat eine Belohnung dafür ausgesetzt, denn für sich allein bekäme
sie nichts, und Sie haben das Auto gewonnen, wenn Sie uns jetzt eine Frage
beantworten. Die Antwort war leider falsch. Und diese andere Antwort ist
richtig! Und dieses Auto gehört Ihnen jetzt! Doch die Wirklichkeit ist immer
ernüchternd, egal, wieviel man getrunken hat, bevor man sich ihr ausgesetzt
hat. Mit der linken Hand streichelt die Frau den Jungen, Augen auf beim
Autokauf!, mit der rechten sich selbst, Augen zu! Das ist ihm ganz egal, was ihre
Augen machen. Er fährt fort, nur kann er es noch nicht so richtig. Die Frau
hantiert mit ihm wie mit einem Instrument, eine Verzierung bricht ihr dabei ab,
dann noch eine, indem sie sich bemüht, es ist abgemacht, daß er gar nichts tun
darf, woran er sich nicht immer hält, aber was auch immer er tut, er macht es
lustlos, lustlos sogar noch, wenn sie ihn aus sich herausreißt, das dauert ja
nur einen Moment, und dann ist es endlich aus, dann ist er endlich ganz aus
sich herausgegangen. Wie oft habe ich das schon gesagt? Zeit aufzuhören! Jetzt
können Sie alle da stehen und warten, daß jemand aus sich herauskommt, doch es
kommt keiner mehr. Es wird das letzte Mal gewesen sein, daß jemand kommt,
zumindest bei mir. Woanders können die Leute kommen, soviel sie wollen, von mir
aus, ich aber gehe nicht, ich bin gekommen und gehe nicht mehr, das kommt von
Ihrer Art der Behandlung, die Sie mir fast ein Leben lang angedeihen ließen,
und jetzt gedeiht hier nichts mehr. Es wartet, daß ich ihm helfe, ich werde ihm
schon helfen, dem Gedeihen! Hier kommt nichts mehr, hier gedeiht nichts mehr,
der Boden ist verkarstet und versandet. Wir müssen hier ohnehin nicht mehr
bauen, denn Abreißen ist angesagt, die Hälfte dieser Häuser muß weg, nur unsere
Körper bleiben da, nein, bleiben sie nicht, die Hälfte dieser Körper ist weg,
die sind ganz weg, daß ihnen sowas passieren konnte. Dafür fahren auch die
Häuserzeilen der schrumpfenden Stadt auf uns zu, sie sind von ihren Bewohnern,
Arbeitern, die selbst schuld sind, keine Ahnung woran, und die deswegen nicht
gleich auf das Materielle aufmerksam gemacht werden wollen, sie wohnen alle
jetzt woanders, diese Häuser also, die überflüssig geworden sind, schieben sich
jetzt zusammen wie eine Ziehharmonika, ein fürchterlicher Unterschied zu früher,
als sie noch voll im Saft der Menschen und ihrer Pflanzen in den inzwischen
verwahrlosten Vorgärten standen, sie fahren fast unmerklich, aber doch los, ja,
die gehen ausnahmsweise mal nach vorne los, die Häuser, über die verlassenen
Gärtchen hinweg, sie schieben sich der Frau entgegen, das Poltern und Ächzen
von vorhin ist ja wirklich, es ist nicht von der Umwelt, sondern vom Menschen
verursacht, menschengemacht! Diese Erkenntnis habe ich soeben gemacht, ganz
allein, aber auch nur, weil man sie mir so nahegelegt hat, daß ich ihr Platz
machen mußte: Wir sind schuld! Sie haben mir zwar oft gesagt: Ich bin schuld.
Das hat mich sehr gekränkt, gebe ich zu, als ob ich dadurch weniger anziehend
geworden wäre. Aber das stimmt nicht. So ist es nicht oder nicht mehr lange.
Ich versuche es ja durch Schreddern meines Werks und dessen Umwandlung in etwas
viel Besseres wieder gutzumachen! Wetten, daß ich mein Werk wieder wettmachen
kann? Es ist vielleicht nicht wieder gutzumachen, aber ich versuche, es besser
zu machen. Geht nicht. Keine Chance. Ich habe es zwar mit Absicht gemacht, was
auch immer, aber jetzt versuche ich es zu korrigieren, ungeschehen zu machen,
wenn möglich. Es ist ja auch der liebe kleine Fakir-Heizlüfter am
Gletscherbahnunglück in Kaprun nicht schuld gewesen, man hätte ihn niemals
einbauen dürfen in diese Bahn, niemals, das steht schon in der
Gebrauchsanweisung, sogar mir, als ich ihn seinerzeit in mein Klo eingebaut
habe, ist das aufgefallen, daß mir dieses Klo nicht davonfahren darf, sonst
hätte ich nämlich den Fakir-Heizlüfter dort niemals einbauen dürfen. Ich hätte
auch nicht fortfahren dürfen, und jetzt tue ich das ja auch seit langem nicht
mehr. Ja, auch hier nicht, ich fahre nicht fort, das muß Ihnen doch irgendwann
mal aufgefallen sein! Ich trete auf der Stelle, aber was andres darf und kann
ich trotz all meiner glühenden Hitze nicht machen. Er ist nicht zum Einbau in
fahrmögliche Räume gedacht, der liebe Fakir, und das hat das Kaprun-Verfahren
mit voller Absicht nicht zutage gefördert. Ich aber hätte es denen sagen können
und habe es auch gesagt. Aber auf mich hört ja keiner. So, jetzt wissen Sies,
wenigstens Sie haben es gehört. Unsere versammelten insgesamten Stimmen und
Stimmungen murmeln unwirklich und unwillkürlich herum, aber nicht vor Angst,
weil wir die leeren Häuser dieser Stadt noch gar nicht kommen sehen können, wir
sind schließlich nicht dort; aber auch dort, wo wir uns aufhalten, sehen wir
nie etwas kommen, immer nur gehen, bitte, die Leute am Strand sahen den Tsunami
zuerst gehen, bevor er kam, doch sie konnten dieses Fortgehen als künftiges
Kommen (wenn auch in völlig andrer Gestalt, kaum wiederzuerkennen, eigentlich
gar nicht), als entsetzliches Schreckensankommen ohne Schreckenskammer nicht
erkennen, na ja, alle wollen irgendwann mal kommen, sonst kämen sie ja auch
niemals mehr fort und könnten niemals einen schönen Urlaub machen, also Pause
von allem, nur nicht von einem selbst, vom eigenen Selbst (die Flut hat es
umgekehrt gemacht, aber wir hätten es lieber anders. Wie es auch ist – wir
hätten es lieber anders), nicht nur die Häuser kommen, aber die kommen auch,
und bei denen fällt es mehr auf, man ist nicht gewöhnt, daß sie auf einen
zukommen, die Häuserzeilen, ich kann jetzt nichts mehr schreiben, es ist aus
mit mir, ich habe fertig, meint Verona dazu, ich bin ja wahnsinnig, meine ich,
schon lang, seit ich es das letzte Mal gemerkt habe, daß ich wahnsinnig
geworden bin, ist auch schon wieder ein Weilchen vergangen, und welche
Konsequenzen haben Sie daraus gezogen? Ach so, Sie meinen, ich hätte die
Konsequenzen selber ziehen und in die so entstandene Furche etwas Besseres
hineinsehen sollen?, aber ich sehe ja überhaupt nichts, ich bewege mich nicht
fort, nie, und im Gegensatz zum Tsunami komme ich auch nie, und wo ist jetzt
der Klacks Obers für meinen rein biologischen Spinat?, ich habe und bin fertig,
das sehe ich und sage es auch, und zwar ohne daß Sie es mir eigens melden,
melden Sie sich bei jemand anderem!, an mir selbst merke ich ja alles, obwohl
ich mir normalerweise nichts merken kann, ich merke, daß nichts mehr geht, ich
sehe es genau hier, und ich gehe auch nicht, dafür aber kommen die
Unbeweglichsten, die Immobilien, auf die noch bewohnte Welt zu, langsam, jedoch
mit einem fürchterlichen Unterschied zu früher, auf dieses derzeit noch belebte
Haus zu. Ich bin das Unbelebte und fahre jetzt los, tschüss, Papa, hab ich mich
von dir überhaupt verabschiedet? Nein, ich glaube nicht, denn als du dich von
unserem Haus verabschiedet hast, auf Wunsch von Mama, der das Haus viel wichtiger
war als du, sogar als wir beide miteinander, Papa, begleitet warst du, Papi,
von Mama und einem angemieteten Irrenwärter, und ich?, ich war schließlich auch
da, wenn auch eingeschlossen, nur hast du mich nicht sehen können, hättest mich
eh nicht erkannt, als du also kurz da warst mit deiner längst verschwundenen
Anwesenheit, hab mich ja heulend am Dachboden versteckt, um dich nicht ein
letztes Mal ansehen zu müssen, dir, meinem Opfer, nicht mehr ins Antlitz
schauen zu müssen, immerhin hab ich geheult, die Nazis haben nicht geheult,
nicht Rotz und nicht Wasser, als sie ihren Opfern gegenüberstanden und nicht
nur standen, bitte, sie haben vielleicht gekotzt, sie haben sich furchtbar
geekelt, sie hatten entsetzliche Verdauungsprobleme und sind damit fein beieinander
angeeckt, aber gestanden sind sie bald darauf wieder wie eine Eins; was ich
sagen wollte ist, daß die Opfer bald nicht mehr aufstanden, so, das Heulen habe
ich ihnen voraus, sonst aber nicht viel, und trotzdem fahre jetzt ich los, ohne
mich zu verabschieden, obwohl ich genau das ja gar nicht kann und keiner da
ist, von dem ich mich verabschieden könnte. Doch, ich kann es, mich
verabschieden, Sie dürfen sich jetzt zur Verabschiedung aufstellen, ich habe
mich von meinem Vater zwar nicht verabschiedet, als er ging, aber Ihnen sag ich
gern auf Wiedersehen und meine es nicht so, denn ich will überhaupt niemanden
mehr sehen. Aber seit ich weiß, daß auch das Unbelebte sich sehr rasch bewegen
kann, in Wasser sogar noch rascher und noch zerstörerischer, das Wasser selber
ist dabei ja am schlimmsten, seither versuche auch ich immer wieder, tapfer
loszufahren, wenn auch immer nur in mir. Ich komm hier nicht weiter, Sie sehen
es selbst. Ich habe keinen Führerschein für mein Leben, das wird es sein! Denn
mein Geheimnis ist: Ich kann nicht weg. Ich kann nicht wegfahren, ich kann
nicht auf Urlaub fahren, ich kann nicht zur Arbeit fahren (muß ich ja auch
nicht!), ich kann nicht zu Ihnen nach Hamburg fahren, ich kann nicht zu Ihnen
nach Hause fahren, ich kann nicht fahren, ich kann nicht mehr fahren,
obwohl ich es einst mühsam gelernt
habe. Ich bin das unbelebte, aber gute alte Haus, und ich fahre jetzt los,
obwohl ich das gar nicht kann, denn ich werde nicht mehr benötigt, mein Haus
ist leer geworden, wenn auch recht anständig gegen Hitze und Kälte gedämmt,
sogar zweifach, innen und außen, um seine Energiebilanz zu schönen, zumindest
wird es das sein, gedämmt, sobald ich mein gutes altes Haus, mein Werk,
umgewandelt haben werde in etwas Nützlicheres, in meinen Tod, endlich, und dann
schotte ich mich ab, ich werde mich eindämmen, vorn und hinten, ich meine innen
und außen, doppelt gedämmt hält besser, besonders im Alter, wenn man nichts
mehr halten kann und einen nichts mehr hält, und mich wird meine Sprache dann
auch nicht halten können, wehe, wenn sie losgelassen!, wenn auch diesfalls noch
nicht mit meiner Sprache gehalten oder auf meine Sprache losgelassen, die
Hunde, die wilde Meute, ich werde ihr aber standhalten, mit meiner patentierten
Dichtung wird dann Ihr Haus gedämmt werden oder vielleicht Ihres?, Papier mit
Kleber, Dichtung, der dauernd jemand eine geklebt hat, recht so!, ohne daß ich
Kinder gehabt und ohne daß ich es gleich gemerkt hätte, es hatte sich ja nur
einer einzigen Person zu entledigen, so, schon erledigt. Das Gelaß dieser Frau,
die ich bin, wenn auch nicht so gelassen wie sie, weil ich solche Angst habe,
immer, das Gelaß hat seine Form also zu einem Rhombus verändert, ich sagte es
schon, vor langer Zeit, ein andrer sagte es aber viel früher, seine Schuld,
denn jetzt stehle ich es ihm vollkommen skrupellos, hätte er Dämmerung draus
gemacht, Finsternis, nein, Entschuldigung, ich meine Dämmung, das Wort habe ich
nun wirklich oft genug geübt, hätte ich es nicht stehlen können, dann wärs fest
eingebaut gewesen, die Umwelt sagte es uns auch, daß wir das machen sollen, mir
persönlich hat sie es auch gesagt, deshalb mach ich es ja, jawohl, schon lang,
der Tod kommt, jeder Tod soll ruhig kommen, aber oft kommt er laut und stört
mich, bitte, meiner wird mich nicht stören, er wird dem Gelärme ein Ende
bereiten, nur nicht der in dieser Grube, den will ich nicht, wenn ich es mir
aussuchen könnte, dann: den bitte nicht! Also wirklich nicht! Aber bis dahin
haben wir noch etwas Zeit, das Haus fährt, nein, nicht: legt, fährt jetzt los,
es legt los mit dem Losfahren, nur meine Leinen sind nicht los, die werden nie
mehr lose sein, da wird nichts mehr los sein, in meinem Leben, und der junge
Mann, den wir fast vergessen hätten, aber keine Sorge, ich erinnere Sie schon,
immer wieder werde ich Sie erinnern, der kommt jetzt, aus dem bricht auch eine
Flut heraus, wenn auch nur eine kleine. Die einen gehen, die andren kommen,
bloß ich darf nicht. Er möchte das zwar auch nicht, der Bursch will nicht so
recht und muß sich erst daran erinnern, warum er dieses Ziel haben soll, die
Frau möchte aber schon. Die Frau will immer was. Die Emma sagt zwar, der
Emanzipationsprozeß sei jetzt abgeschlossen, aber ich persönlich glaube das
erst, wenn ich es sehe. Die Frau muß ihn schon sich selber hübsch anrichten,
diesen Prozeß, dessen Eingeschworene sie selber bestimmen darf, doch auch die
stimmen immer gegen sie, weil ihr Aussehen einfach nicht stimmt, denn es ist
nicht einfach, sein Aussehen zu verbessern, oft genügen nur wenige Striche, aber
noch öfter ist es eine echte Schinderei, obwohl nichts mehr echt ist, und wenn
das Aussehen bei einer Frau nicht stimmt, dann stimmt gar nichts, vielleicht
hilft uns dieser Mann bei unserem Aussehen ein wenig? Nein, aber er hilft uns
anderweitig, ausgesetzt einem Augenpaar voller Vorwürfe, und er hilft ihr,
dieser Frau, die den Burschen speziell für sich nett angerichtet hat, ohne daß
ein Prozeß ihn ihr je zugesprochen hätte, was nicht nötig ist, sie braucht
keinen Zuspruch, wenn sie nur kurz einmal einem Körper zusprechen will, und
beim Sprechen bleibts ja meist nicht, der junge Mann hilft der Frau bei gar
nichts, sie würde es auch nicht wollen, denkt er, sie wünscht seine Unbeweglichkeit, er soll nie umziehen, er soll
nie in Leoben studieren, er soll immer dableiben, für sie, um ihre
Anhimmelungen entgegenzunehmen, dreimal die Woche oder was habe ich gesagt, wie
oft?, liebe das Leben, bejahe es fest, ich meine fast!, es ist so schön, es
kann in jedem beliebigen Körper wie neu erstehn, wir wollen das alles positiv
sehn, und positiv ist es doch auch, daß die Wahrheit ihr Haupt verhüllt, weil
sie von der Anti-Faltencreme auch nach einem halben Jahr keinerlei Nutzen
gehabt hat, jetzt aber wenigstens von der Unverborgenheit des Seienden, äh, der
Unverborgenheit deutscher TV-Serien, vor deren Unverborgenheit man sich
nirgendwohin retten kann, profitieren will, nein? Eher nicht? Eher verhüllen
sich und die Wahrheit? Vorbei all die zugelassenen, doch nie erfüllten
Wesensmöglichkeiten? Auch mit einer Lotion oder was auch immer nicht täuschend
echt zu erfüllen, nicht einmal als Surrogat gegen die freien Radikalen (nein,
bitte, streichen Sie das wieder, meinem lieben Kollegen zuliebe! Das Wort war
bei Gott, aber jetzt ist es bei ihm!)? Hier sehen Sie das Erste, was geschieht,
und das Letzte, was nicht geschieht, und der Bursch steckt der Frau, die ihn
für einmal täglich zu sich bestellt hätte, bevor sie sich auf zwei-, dreimal
die Woche einigen mußten, weil sie sich mehr nicht leisten kann, er soll zu ihr
kommen und sich ihrer annehmen, obwohl sie keineswegs ein Pflegefall ist (er
ist allerdings auch nicht annähernd ein Pfleger!), den Schwanz in den Mund, was
soll schon passieren, er kann es, dieses fröhliche Musizieren ohne Publikum,
aber mit einem weiblichen Volksempfänger, der weit jenseits der
Empfängnisfähigkeit ist, doch es hilft alles nichts, der Frau hilft nichts
mehr, wie sagt der Denker? Das Kommen kommt nicht aus der Zukunft, sondern
begründet sie erst, es wäre zwar eine gewisse Erleichterung, täte das Kommen das
endlich, käme auch die Zukunft endlich, um eine Gegenwart als Thermenhotel,
garantiert chlorfrei, Infektionen inklusive und sogar garantiert, wenn auch
nicht ausdrücklich, also in den Prospekt schreiben wir das nicht hinein, um
also eine Gegenwart als Themenhotel zu gründen und sogleich auszubauen, ich
frage mich nur für wen, na, für ihn, den zahlenden Gast, der so blöd ist, sogar
für Colibakterien und Eiterkeime und Pilzvergiftungen noch zu bezahlen, aber
die Frau will soviel Nähe nun auch wieder nicht, soviel Nähe wie der Schlamm
bei der Schlammpackung, näher gehts einfach nicht, daß er in sie hineinkäme und
mit ihr zu einem, egal was, in eins halt verschmelzen würde, so etwas Billiges
könnte sie sich nicht leisten, soviel Nähe wäre mit einem gebrauchten
Kleinwagen gar nicht zu bezahlen, und daß es gar keine Nähe mehr wäre, sondern
ein Ineinanderfallen, daß sie, wie soll ich es ausdrücken (meine schwache
Seite! Ich kann nichts richtig ausdrücken), in eins zusammenfallen, diese
unheimliche Nähe (das Unheimlichste, was es gibt, die Nähe ist das Gespenst
schlechthin) könnte man nicht einmal in einem Wellness-Hotel erleben, wo man
sich zwischen den Anfängen einer lustigen Keimbesiedelung aufhielte, um am Ende
noch, aber knapp, wie ein neuer Anfang, einer, den man noch nicht ausprobiert
hätte, auszusehen. Wahnsinn, jetzt sind mir vom vielen Sitzen beim Schreiben
auch noch die Füße eingeschlafen! Diese zwei Körper, Sie wissen hoffentlich
noch, welche, führen Bewegungen aus, als wären sie mit Handschuhen bedeckt, und
es sind keine Bewegungen, die aufeinander verweisen würden oder in der
Spitalsambulanz wenigstens zum Röntgen oder zum EKG verweisen würden, im Spital
verstehe ich nie, wohin ich verwiesen worden bin, ich finde den Raum, in den
ich gehöre, nie, und ich finde aus dem kleinen Raum, in dem ich ohne Kleider
gefangen bin (das wird doch nicht schon der Sarg sein? Nein, denn dort hätte
ich ja was Schickes an!), auch nie wieder heraus. Da ist eine kleine Wandtafel
mit der Aufschrift, was ich jetzt machen soll, doch ich verstehe sie nicht. Ist
das nicht komisch, daß ich unaufhörlich schreibe, aber Geschriebenes kaum je
verstehe, nicht einmal das einfachste, hauptsächlich im Spital fällt mir das
immer auf, wohin soll ich mich wenden?, deswegen gehe ich jetzt gar nicht mehr
dorthin. Mein Darm bleibt zwar im Stadium der Versuchung durch Fertiggerichte
verfangen wie Jesus in der Wüste vorm Schnellgericht des Teufels (doch
unschuldig Er, ohne Sünde, unschuldig der Brot-Versuchung, der
Macht-Versuchung, der Gott-Versuchung und der Abgott-Versuchung, nicht
unschuldig ich: der Schokoladeversuchung), und er bleibt auch für alles offen,
aber ununtersucht. Nur mein Tod wird diese ewige Unschlüssigkeit durch seine
Ewigkeit ablösen und beenden, dann kriechen die Würmer in mich hinein, dann, ja
dann fängt was Neues an, ein neues Kapitel, da wird man dann ein Einzelzimmer
für mich finden und mich der dringenden Notwendigkeit entheben, eins aussuchen
zu müssen, wir sind hier ja nicht im Hotel der Legionäre, ich meine
Legionellen, nicht wahr, vielleicht ein aufgelassenes Badezimmer?, in dem ich
mich auskennen werde (in einem Hotel ließe ich mir das nie gefallen, würde aber
nicht wagen, dagegen zu protestieren, so bin ich eben, jederzeit
gebrauchsfertig, immer fertig, damit ich mich nicht wieder unfertig mache, trau
ich mich kaum zu atmen) und endlich bleiben darf. Ihre Natur betrügt die
Menschen wirklich um alles, vor allem ums ewige Leben, und gerade das könnten
die Menschen besonders gut gebrauchen. Soviel Spaß könnten sie miteinander
haben, doch das Ereignis ereignet sich nie, an das Gewöhnliche gewöhnen wir uns
nie, weil wir es ja für außergewöhnlich halten, wenn es ausgerechnet uns
passiert, doch beim Sterben, da werden wir uns noch wundern! Bitte, mich
tröstet, daß es jeder tun muß, ja, das tröstet mich irgendwie, wenigstens im
Tod könnte ich dran sein mit Gewinnen, weil ich zwar nicht mehr gewinnend sein
müßte, aber den Tod vielleicht nicht spüren würde, im Gegensatz zu manchem
Krebspatienten, dessen Natur es geworden ist, Schmerzen zu empfinden, immerhin
empfinden sie was, bitte, ich habe damit keine Erfahrung, aber wer weiß, was
meine Natur noch alles über mich beschließen wird? Die ist so passiv wie ein
Passivhaus oder ein Passivraucher, so passiv wie ich aufrichtig bin, nämlich
gar nicht. Sie erlaubt ja nicht einmal den Gletschern weiter zu bestehen, sie
macht Rinnsale aus ihnen, später Flüsse, aber sie erlaubt auch nicht, daß
Körper einander stumm begegnen. Sobald sie einander begegnen, muß es sofort
laut und grell werden, Keuchen, Stöhnen, Schreien, Seufzen, Augenverdrehen wie
z. B. Frau R. im TV, kurzum, wenn auch nicht kurz: Ein Körper erwidert das, was
ihm der andre erwiesen hat, niemals stumm, er zeigt auf seiner nach unten hin
offenen Skala an, was er empfindet, er kennt dabei keinerlei Scham, warum auch,
es ist menschlich, keinerlei Scham zu kennen. Ich, die ich mich dauernd nur
schäme, eigentlich wegen nichts, also wegen allem, und wenn ich mich einmal
nicht schäme, wird mir gleich das Schämen befohlen, weil ich mich weigere, mir
selbst beim Begehen eines Fehlers zu begegnen, so müssen meine Fehler leider
anderen begegnen, die sie sich nicht verzeihen werden können, ich bewundere
diese Körper und das, was sie da tun, ehrlich, ich könnte sowas nie. Für mich
wärs nichts. Ich möchte auch, würde mich das aber nie trauen. Ich möchte auch
dabeisein, wie Herr F., wenn es action, Sucht und Phantasie gibt, die alle
Männer interessieren, nein, nicht alle Männer, aber all diese Dinge
interessieren Männer, die leichter außer sich geraten, weil sie schließlich und
endlich jemand sind und daher aus sich herausgehen können. Die Frau ist ein
Nichts, was soll da auf den Pfaden der Enteignung wandeln, da sie sich ja für
nichts eignet? Es gibt eine fixe Abmachung zwischen uns, meinem Frauenkörper
und mir, daß so etwas nicht vorkommen darf, ich darf mir nicht vornehmen, außer
mich zu geraten, sonst finde ich womöglich nicht mehr zurück, wo ich aber
ohnedies niemand finden würde, ich wäre ja nicht zu Hause, obwohl ich immer
dort wäre, wo auch sonst?, beim Himmelvater?, ich wars ja nicht mal bei Papi,
nicht zu Hause, ich bin ja nichts, wie soll ich mich da wiederfinden, als hätte
ich mich je gehabt?, auch wenn es niemals ein weiter Weg zu mir wäre, denn weit
weg würde ich mich gar nicht trauen, ich fände mich nicht wieder, oder aber ich
fände mich dort wieder, wo ich gewiß nicht sein möchte und gewiß nicht sicher
wäre. Und überhaupt, es dürfen so viele Arten in der Natur nicht mehr
vorkommen, da können wir genausogut auch auf uns selbst verzichten, ihr Frauen,
die ihr euch gegenseitig lest und liebt und achtet, nein, sagt ihr, nicht auf
uns wollen wir verzichten, einer auf den anderen, ich meine eine auf die andre,
wir haben es nicht notwendig, daß wir immer kommen oder gehen müssen, kaum daß
wir einmal gekommen sind, und uns mit Forderungen nach Mehr drangsalieren
lassen müssen. Wir sprechen, wir können aber auch jederzeit wieder gehen, bevor
wir gekommen sind. Wir können es auch sein lassen, nachdem wir ein Sein auf die
Welt gebracht hätten, was schließlich viel Arbeit macht, man muß sich
aufschließen und danach wieder zu. Keiner würde es merken. Wir können auch
gleich ganz weg bleiben. Ich bin jetzt schon total weg von dieser Idee und
verschwinde selbst, wie meine Hauptfigur, die ich eh nie wirklich leiden
konnte. Dafür ist dort unten, in meinem Blickfeld, ein Haus entstanden, groß
wie eine Kathedrale und mit einem Dach, stark wie ein Stier, und wieso hat die
Bauordnung das erlaubt, daß dieses Haus so viel größer ist als alle anderen?
Angeblich gehört es einem Fußballer des Sportclubs Rapid, weiter unten, in der
Tabelle aber weit oben, bitte um Entschuldigung, ich kann nichts dafür, daß
meine Abschweifungen mit Ausschweifungen so wenig zu tun haben. Sie blieb mir
fremd, meine Hauptfigur, das muß ich leider zugeben, das hätte nicht so sein
müssen, ich hätte eine andre wählen können, denn diese ist mir fremd geblieben,
obwohl ich selber ziemlich lang Geige gelernt habe, ja, auch Bratsche, was mich
aber noch lange nicht zur Prüfung der Fähigkeiten Dritter berechtigt. So. Weg
mit ihr! Fort, Frau! Und schon bin ich mir selber fremd und war es immer. So
jemand ist unverzeihlich, wenn auch zum Glück nur erfunden, jedenfalls wäre ich
die letzte, der man irgendwas verzeihen könnte, auch wenn diese Frau mir in gewisser
Weise ähnelt. Kein Wunder, und doch liegt sie mir so wenig am Herzen wie ein
Kind, das eher drunterliegt, unter diesem Stein von einem Herzen, das ich habe,
und das Kind habe ich auch nicht. Nie gehabt. Woher nehmen und nicht stehlen?
Nun haben mir dafür, nein, nicht dafür, aber für alles andere, so viele
Menschen ihre Verachtung ausgesprochen und daß sie weder mich noch meine
Heimproduktion leiden können, daß mir mein Verschwinden, bevor ich es noch
praktiziert habe, schon leicht fällt und ich voll Vorfreude darauf bin. Ich
kann den Augenblick, da ich als Berufsstand nicht mehr lebend in die dafür
vorgesehene Rubrik eintippen kann, ein Geheimtip von mir, das Leben!, gar nicht
erwarten. So, ich setze mein hochmütiges, überhebliches Lächeln auf, das Sie
ebenfalls nicht leiden können, deswegen tu ichs ja, ich verstehs ja, ich mag es
auch nicht, zumindest nicht an mir, und ich verschwinde. Sie darf sich auch nie
ausziehen, diese Frau, der junge Mann ist schließlich keine Umkleidekabine,
diese Frau darf schlußendlich gar nichts ablegen, außer Geld, diese Frau, die
ich eigens für einen jungen Mann, wie so oft, auch diesmal wieder erfunden
habe, zum letzten Mal, nein, ich lüge, aber nicht gut, bitte, legen Sie doch
ab!, Sie können entweder unten ablegen oder oben, aber nein, weder unten noch
oben darf sie ablegen, das hat der junge Mann ihr wieder verboten, damit es ihn
nicht graust und ich nicht in Versuchung komme, dieses Werk für mich selber
auszubeuten, indem ich mich selber dran aufgeile. Das fehlte noch! Nein, danke,
dem Werk fehlt nichts, das ist gesund, und das braucht auch nichts, auch Sie
braucht es schon gar nicht. Auch ich habe ja nichts davon, bitte glauben Sie
mir. Aber Sie sollten wenigstens was davon haben, so war es nämlich
ursprünglich geplant. Bitte, wenn nicht, dann eben nicht. Für das, was die Frau
für diesen Hausbesuch zahlt, ist das nicht drin, in Tränen schwimmen ist aber
auch nicht vorgesehen, sie soll im Schwimmbad schwimmen, wo es Eintritt kostet,
der Knabe will nicht, daß es sich wie zufällig ergibt, daß ein Kleidungsstück
wie irrtümlich abgeworfen wird (mein Gott, wie häßlich das wieder gesagt ist,
aber du kannst ja nichts dafür, arme Elfi), wie ein Fallschirm, welcher
abwärtsschwebt, doch seine Art der Landung wäre schon vorher zu markieren
gewesen, auf einem dunklen Grund des Seins, der unverkäuflich ist, weil dort
nie die Sonne scheint, es reißt sich keiner drum, nicht einmal dieser Spieler
von Rapid-Wien. Sonne: jawohl, kenne ich auch, halt!, nein, kenne ich doch
nicht, keine Sonne für mich, kein Süden, kein Strand, kein Meer, kein
Überschwang, kein Überschlag, nur die harte Landung, die uns aus dem
Verborgensten reißt, um die sich eh niemand reißt, und in den Fäden dessen
verstrickt, was uns hält. Wieso sage ich immer uns, wenn ich allein in meinem
Namen spreche? Aber es geht eh immer daneben, was ich auch sage, halt!, da ist
der Schirm ja schon, an dem etwas dranhängt, ein kleiner Mensch, der aber rasch
größer wird, wie er sich zumindest einbildet, was auch wieder nicht erwünscht ist
und ohnedies nicht stimmt, vor allem dann nicht, wenn er vor dem Anfang
ankommt, in der Verlassenheit (nicht in meiner Verlassenschaft, die es nicht
geben wird, es wird nichts Schriftliches übrigbleiben dürfen, habe ich
schriftlich festgelegt, wie denn sonst?, und was bleibt mir andres übrig? Nur
Isolierschichten bleiben übrig, daraus können Sie sich dann eine
Isolierschichttorte backen, wenn Sie wollen), über die er sich natürlich
wundert, ist ihm doch keine ewige, aber immerhin eine lang anhaltende Ruhe in
diesem Spa samt Luxushotel verheißen worden, endlich ein Ort, an dem er sich
vergessen kann, das ist gut, ich habe mich selbst schon mehrmals vergessen,
aber nicht allzu oft, dieser Hund hat es auf meiner Betonbrücke auch getan,
sich vergessen, der Regen hat es bereits weggewaschen, und ohne Vergessen geht
schon einmal überhaupt nichts, denn die Erde, wo alles landet, will den
Menschen im Grunde gar nicht, das kann ich Ihnen flüstern, in jedem Konzert für
die Mutter Erde kann man hören, daß die Erde den Menschen nicht will, weil der
Mensch so lang so gemein zur Erde gewesen ist, zumindest so lang wie sie ihn
ertrug. Jetzt erträgt sie ihn schon nicht mehr, und wir treten in die
Nach-Erdphase ein, die Erdung nehmen wir mit, für die haben wir bezahlt, die
wäre noch gut gewesen, hätten die Bauarbeiter bei der Renovierung sie nicht
abgerissen. Jetzt reicht sie leider nicht mehr bis in den Boden. Doch um das zu
singen, muß man selber fest mit beiden Beinen auf dem Erdboden stehen, sonst
grenzt der mittels Technik zu uns hergesteuerte Gesang und das ganze Geschrumme
und Gewumme direkt ans Nichts, wo sie sogleich die Besinnung verlieren und
durch Besinnlichkeit ersetzt werden, während das doch recht beliebte Vergessen
plötzlich verdrießlich scheint, schlecht gelaunt, aber immer weiter gehen muß,
uns zuliebe, sonst müssen wir es noch erweitern, sonst geht wiederum die
Gegenwart so wenig weiter wie dieser Roman, der gar keiner ist, nicht einmal
eine Novelle, nicht einmal eine kleine, dafür ist er strikt privat, strictly
private, es wird sich besonnen, daß die Sonne, wenn sie ungebremst
herunterfällt, das Wasser verdunsten läßt, bis keins mehr da ist, weil auch
keine Wälder mehr da sind, oder besonders viel Wasser kommt, wie in ganz
Griechenland, das zuvor ein einziger Brandherd war, auf dem die eigenen Häuser
gekocht wurden, und die Erde hält nunmehr nicht mehr, was weiß ich, was sie
derweil halten soll, damit ich die Hände frei habe, und daß man der Erde nicht
so schreckliche Dinge antun soll wie sie Menschen einander antun, das sage ich
hier auch noch, weil ich dafür Platz habe. Der Platz wurde aber nur für mein
Sagen freigehalten, das heißt, falls ihn mir überhaupt jemand freigehalten hat.
Die Menschen sollen aus ihrem Umgang mit der Natur lernen, wie man mit andren
Menschen umgeht: besser. Aber das wollte ich nicht sagen. Ich sage dauernd
Sachen, die ich gar nicht sagen wollte, sehen Sie, und deshalb ist es doch so
gut, daß ich aufhöre. Dieser Knabe will diesen alten Frauenkörper da nicht
sehen, nicht riechen, nicht fühlen und nicht schmecken, er kann sie sowieso
nicht riechen, die Frau, also wäre es egal, ob sie da ist oder nicht, diese
Frau, die ich leider erfunden habe, und was mache ich jetzt mit ihr, da sie
dieser junge Mann, auf den sie zugesteuert ist, überhaupt nicht ertragen kann?
Er mag ihr nicht einmal etwas erwidern, nicht einmal mit seinem Körper, doch
andrerseits: So kann er in seinem Lieblingsforum mit der Praxis angeben, ein
paar Fotos und Videos ins Netz stellen und dabei noch einiges fest dazulügen,
was gar nicht stattgefunden hat, auch eine alte Frau findet vielleicht noch
einen Abnehmer, wenn sie zuvor wenigstens ein klein bißchen abnehmen würde,
Moment, gleich taucht es hier auf, schauen Sie! Alles wird aufgezeichnet, weil
alles aufgezeichnet werden kann. Alles wird festgehalten, weil alles
festgehalten werden kann, ja, auch dieses Haus, es hält wegen meines
Dämmschutzes, aber ich halte nicht, denn ich bin ungeschützt. Der Schatten
hinter der Fensterscheibe, vielleicht eine junge Frau (ich habe den Kontakt mit
der Zeitscheibe längst verloren, wann war das noch gleich?, vorher oder
nachher?, und kann mich auch nicht an sie ankoppeln, an diesen stoßenden
Pendelkörper, o je. Lassen wir den Energieerhaltungssatz der Mechanik, den
Impulserhaltungssatz und den Drehimpulserhaltungssatz mal beiseite, also: Mein
Körper stößt wie ein Eisenbahn-Puffer an die Zeit, mein Körper stößt an diesen
anderen Zeit-Körper mit der Geschwindigkeit v1, ja, genau, auf diesen ruhenden
Körper gleicher Masse, als welchen ich die Zeit betrachte, obwohl sie das gar
nicht ist, sie ist nämlich unwahrscheinlich elastisch. Wahrscheinlich ist das
sogar mein Untergang, daß die Zeit genauso elastisch ist wie ich, nur wölbt sie
sich in die andre Richtung, wenn man auf sie einschlägt. Es findet nun, und Sie
sind dabei!, dieser Stoß Ich gegen Zeit statt, aber anstatt mich schön glatt an
die Zeit anzukoppeln, zwei Wagenpuffer, die aufeinander zufahren, um sich zu
verbinden, werde ich irgendwie wie eine Laus zerquetscht. Alles Blödsinn. Danke,
daß Sie es mir eigens gesagt haben!), die diesen Weg und diesen Schlüssel
womöglich zum ersten Mal benutzt hat, in aller Behaglichkeit und gleichzeitig
Aufgeregtheit, die nur die Jugend kennt, wenn Christl S. auftritt, die schwarze
Köchin, ich meine Sängerin, und ihr Haar und ihren Körper schüttelt, das ist
ein Mädel, das tut mir so leid, die kennt kein Drittes, das der Denker als
Anfangen, Verbergen, Verschweigen (nur das nicht!) und Da-Sein usw. bezeichnen
würde, ich mache mir hier nicht die Mühe, denn all das kennt Christl S. ja
nicht, und dieses nette Mädel, das sich als Schatten hinter der Scheibe
abzeichnet, kennt zwar Christl S., wer kennt sie nicht?, niemand kennt sie
nicht!, aber sich selbst kennt sie nicht, diese junge Frau dort draußen vor der
Tür, aber Christl wird sie von sich selbst gewiß zuverlässig ablenken können,
noch bevor sie sich wirklich getroffen hat, nein, diese junge Frau hat Christl
S. noch nie persönlich kennengelernt, dafür aber im Konzert, und zusätzlich hat
sie noch mehrere andere Menschen gekannt, die allerdings nicht so begabt wie
Christl waren. Die Christl war die Begabteste. Das ist jetzt aber irgendwie an
uns vorbeigegangen. Da kommen also Körper auf Ihren Bildschirm, die konnte ich
schon immer besser beschreiben als lebende Menschen, die ich nicht kenne, wie
gut, daß Sie so lang gewartet haben, jetzt werden Sie belohnt damit, daß dieser
Körper, den ich im Auge habe, doch wenn ich das Oberlid hebe, welches immer
noch nicht gestrafft worden ist, geht es vielleicht wieder weg, dieses Bild von
einem Körper, vor dem ohnedies schon ein Schemen hängt, ein vor sich
hinzuckender Wollfaden, aber das ist schwierig für meine verwelkten Lider, denn
dieser andre Körper, der heilige Körper der Konkurrenz (Neid!), ist vollkommen
fest, geradezu knackfrisch, wie es ihm ein freudestrahlender Apfel in der
Werbung eingeredet hat, daß man sein sollte, sportlich und knackfrisch (was
Kleidung notdürftig, aber immerhin, wenn Mikrofasern all ihre Kraft
hineinlegen, vortäuschen kann), aber das stimmt alles nicht, dieser Körper hat
sich nicht frischgemacht, komisch, nichts stimmt mehr, danke, daß Sie mir das
seit Jahren immer wieder gesagt haben, jetzt hab ichs endlich kapiert, ich
bemühe mich so, aber nichts gelingt, und wäre es so, das nicht nur die Geige
stimmte, sondern dieses eine Wesen, welches ich erdacht habe, ohne vorher
nachzudenken (und jetzt trägt es seine Kleider, wenigstens sinds nicht meine,
sondern seine eigenen, die es besser gar nicht ausgezogen hätte, es trägt sie
unterm Arm, es zeigt seine schreckliche Gestalt, die durch Vernachlässigung von
Essen und Pflege entstanden ist und nicht, weil sich dieses Wesen in Bezug zur
Wahrheit des Seins nicht gefunden hätte, es findet ja nicht einmal seinen BH,
der liegt derzeit auf weichem Flusenlager, im Lurch unter dem Bett), dann wäre
diese Frau eine andere, und ich wäre vielleicht auch anders ausgefallen,
anstatt einfach nur auszufallen bzw. so ausgefallen zu sein (ausfällig geworden
zu sein?), daß mich seit längerem niemand als Mensch erkennen kann. Was will
die Oide, würden Sie sich fragen, würden Sie danach mich fragen. Was will die
oide Trutschn? Kein Wunder, ich bin ja auch nirgends. Sowas haben wir ja noch
nie gesehen, wir haben noch nie gesehen, was gar nicht da ist, besser, wir
hätten es rechtzeitig gesehen, dann hätten wir flüchten können vor dem
Unsichtbaren, das manche wiederum magisch magnetisch anzieht, denken wir an
Gott, den Herrn Schöpfer, den die ernsten Männer von der Ersten Bank seit
Jahren niederkommen sehen, aber da kommt nichts, und die Zinsen kommen auch
nicht. Sie sind so klein, daß ich sie gar nicht sehen kann. Dafür sind die
Dividenden der Aktionäre richtig groß geworden. Nein, doch nicht, wieder
nichts. Aber dort drüben, dort geht gewiß die Post ab! Doch hier, an dieser
Stelle, lasse ich also ein Schlupfloch offen, da ist ein Loch im Text. Bitte
füllen Sie es aus, dann merken Sie, wie schwer das geht!
Diese Stelle wurde absichtlich freigelassen, an meiner Stelle.
Ich bestimme das noch zu meinen Lebzeiten
so, damit niemand nach meinem Ableben dagegen verstoßen kann, und ich allein
bestimme schließlich meine Stimmung, dämpfe meine Stimme oder schalte sie ganz
ab. Meine Verächtlichkeit gegen mich und andre blitzt hier im Bild rechts auf,
aber nur ganz kurz, eine Millisekunde, eine Nanosekunde, es ist ja ein Film,
kein Foto, ja, trotzdem, alles mit diesem Smartphone gemacht!, das auch selber
telefonieren kann, schauen Sie nicht hier rein, kaufen Sie sich gefälligst ein
eigenes!, und, ehe ichs vergesse, deshalb sage ich ja alles zehnmal, dies hier
ist aber erst das zweite Mal, das dritte Mal erspare ich Ihnen: Knackfrisch
sollten auch alle Menschen sein, nicht
nur das, was sie essen, es wäre besser, sie wären freiwillig so frisch, da man
sie derzeit schon überall mit einem über den Kopf hochgehobenen (als wollte man
es vor einer Flut retten) Aufnahmegerät, den einzigen, das sie wirklich
aufnimmt (Europa wird ihm diese Aufgabe nicht abnehmen! Zum Glück sind wir
schon drin!), für die Ewigkeit festhalten kann, wenn man alles jeden Augenblick
festhalten kann, sollte es sich bitte aber auch nie verändern, forever young,
genau so wollen wir dann festgehalten werden, denn was ein Apfel kann, das
können wir schon lang, das ist einmal ein Wort, das man ohne Umwege auf uns
anwenden könnte, wären wir noch ein letztes Mal auf dem Feld oder im Garten, wo
dieser oder jener Apfel wächst, um ein einziges Mal die Macht der Richtigkeit
auszuprobieren, der richtigen Richtung, die Frische zu atmen und sich damit sogar
einzuschmieren, wenns hart auf hart kommt, nur frisch ist man schön, nur jung
ist man am schönsten, da es endlich niemandem mehr gelingt, uns mit Erziehung
zu terrorisieren, und dann kann man sich endlich auch mit andren Menschen,
welche man frei mit seinem Willen gewählt hat, verbinden, und ich, ich
verbinde, ohne die Wahl zu haben, eingeschüchtert vom Leben, wie ich bereits
bin, da es in meinem Gebälk schon knackt, wenn ich mich nur aus der Hocke
aufrichte, ich verbinde jetzt, nur weiß ich noch nicht, was womit, wen mit wem,
also ich verbinde mir halt notdürftig den Zeigefinger, in den ich mich grade
geschnitten habe, ich sehe leider nicht mehr allzu gut – wie fein, daß wir
dieses Medikament haben, das uns vor uns selbst schützen soll, und den Sport, entweder
vor sich selbst, weil einer seiner Hauptdarsteller wieder mal unerlaubte
Medikamente eingenommen hat, oder vor mir, den Sport vor sich selbst oder vor
mir (aber vorm Sekundenherztod, vor Knieproblemen und selbstgewählten
Abnützungserscheinungen schützt er unsere Erscheinung leider nicht), was mir
persönlich unerwünscht wäre, ich möchte eher vor was anderem, vor allen
anderen, geschützt werden, vor mir selber habe ich keine Angst, es kann mir gar
nichts geschehen, wenn ich mich nicht jetzt, fünf Minuten vor Torschluß,
unvorsichtig und unmäßig zu bewegen versuche. Das beste Jungbleibensmittel, die
Liebe, lehrt uns im Fernsehen diese oder jene Sendung, in der vor allem leider
deutsche Spielfilme gezeigt werden, was, die soll ein Mittel sein, die Liebe zwischen
diesen zwei Schauspielern, einer männlich, der andre weiblich, die ich jetzt so
oft gesehen habe, daß ich sicher bin, sie würden längst, wie die Liebe auch
oft, bei der man sich immer ausziehen muß, die Grenzen des guten Geschmacks
gesprengt haben, hätten sie nur eine Spur Dynamit, ich meine eine Spur von
Dynamik gehabt. Nein, das ist der Zweck, nicht das Mittel. Die Liebe, nicht das
Fernsehn. Und der Sport, soll der vielleicht ein besseres Mittel sein als die
Beseelung durch ein Gefühl? Nein, der Sport ist erst der Anfang, das Umkehren
des Entwurzelten, der nicht einmal den Anfang des City-Marathons findet, obwohl
dort bereits Tausende warten, daß der Anfang endlich anfängt und das Ende
womöglich noch davor kommt, noch vorher kommt, vor dem Anfang, daß der Ernst
endlich ernstmacht und sie über sich hinauslaufen können, sich selbst irgendwo
auf der Strecke zurücklassend, sie trinken etwas Isomorphes oder Isometrisches
oder Isothones oder Isotropisches, was weiß ich, und schon haben sie ihren
Start verlassen, und bald sind sie so weit abgeschlagen, so fern von sich
selbst, daß sie auch ihren Beginn verlassen haben, schon ganz am Anfang, und
das gar nicht merken, besser, sie hätten es sich gemerkt, denn dieser Anfang
hätte schon das Ende bestimmt, das Ziel, das sie meist nicht erreichen, so, und
jetzt sind sie bereits im Spital, haben alles Wasser verloren, das sie
mithatten (oder viel zuviel davon zu sich genommen, wo eigentlich ein andrer
Mensch hingehören würde, und jetzt sind sie ganz durcheinander, ich meine, ihr
Elektrolythaushalt ist durcheinandergeraten, weil dort wieder einmal niemand
das Geschirr abgewaschen, sondern all das Wasser selber getrunken hat, und
daran kann man sterben und ist auch schon gestorben), wissen nicht mehr (und
können auch nicht wissen, was sie wiederum nicht wissen), daß dieser Beginn den
Anfang bestimmt hätte, den sie aber nicht finden, nicht das Ende und nicht den
Anfang, diese Sportler, dieses immerwährende Dazwischen des Sports, das nie
sein Ende findet, wie ich es hasse!, wie ich es hasse! Denn daraus ist nichts
zu wissen. Aus dem Sport ist nichts zu wissen, zumindest nichts, was ich würde
wissen wollen. Die Zeit würde ich aber vielleicht schon wissen wollen, doch die
kann ich mir bequemer durch Lesen, durch Ablesen z. B. des Blutdruckmeßgeräts,
verschaffen. Die Gegenseitigkeit, ja die!, vielleicht ist die das Mittel, aber
auch die kriegen wir nie. Wir suchen das Gemeinsame, weil wir ja nie allein
sein können (also ich kann das schon! Es ist überhaupt das einzige, was ich gut
kann), aber schon stehen wir dümmer als dumm da, wenn wir es gefunden haben.
Wir kriegen sie nie, diese Gegenseitigkeit, weil wir zu unterschiedlich sind,
wer auch immer, um einander zu lieben und das auch noch zur gleichen Zeit, der
Beweis: Wir kommen auch nie gleichzeitig, einer ist immer zu früh dran, und ein
andrer glaubt, er sei zu spät, er sei zuviel des Guten für den einen, den er
kurz für den Einzigen hielt. Dafür kommen wir, wenn wir abgereist sind,
irgendwann einmal nach Hause, denn das Fremde macht grundsätzlich reich, man
kann auch sagen, es bereichert die Reisebüros und Internet-Anbieter und
Fluglinien, deshalb müssen wir es einfach kennenlernen, sonst hätten wir ja gar
niemandem etwas zu sagen, wenn der uns nicht bereichern würde, sollte er besser
auch selber ruhig sein. Daß man in die Fremde muß, gilt nicht nur für unsere
Exporteure und Banken, die sich gerade den Ostblock untertan machen, das hat
früher viel mehr Mühe gekostet, denn der Ostblock mußte das damals alles
alleine machen, notfalls mit Hilfe der Arbeiterklasse, auf die ja nie Verlaß
ist, nicht einmal beim Streiken, und das hat nicht halb soviel Spaß gemacht,
was weiß ein Fremder, was weiß ein Arbeiter, was Spaß macht?, nein, nein, das
gilt für alle andren Bürger ebenfalls, die den Mehrwert eher im Geistigen
suchen, also auch für mich. Juli und August sind dafür ideal, das gilt auch für
mich. Sie bringen viel und kosten wenig, also: auf und davon! Das würde
theoretisch auch für mich gelten, aber ich kann nicht, ich kann nicht davon,
ich komme nicht davon, mich frißt der Neid auf die Reisenden, aber ich kann
keiner von ihnen sein. Das kommt davon. Kein Mann führt mich auf die Wiese und
zeigt mir dort eine Grube, in die ich mich legen soll, um meine Gelenke zu
schonen, bevor ich sie überhaupt noch beanspruchen kann. Sie gehören mir doch
eh schon! Ich möchte so gern den Hoteliers helfen, die Betten auch im Sommer
auszulasten, aber nur mein eigen Bett ist von mir ausgelastet, und zwar jeden
Tag, der Nachteil dieses Handelns liegt natürlich in der schwächeren kreativen
Anregung, die ich davon erhalte, daß ich nicht reise und nicht handle und
niemanden mehr kennen will. Was mache ich? Was tut eine wie ich, außer Neid auf
die Lebhaften, Belebteren zu empfinden? Soviel appetitanregende Zutraulichkeit
bei Ausländern, auch bei jenen, die bei uns sind und die wir überhaupt nicht
wollen, die sollen im Ausland bleiben, damit umgekehrt wir sie besuchen und
unseren Horizont erweitern können, dort brauchen wir sie, nicht hier, ich aber
bleibe unverrückbar, wenn auch ein wenig verrückt, ich bleibe hier. Das ist
zwar auch verboten, sagt die Werbung unseren empfindsamen Seelen, die nach Wald
oder Wasser dürsten, welche ihrerseits selber dürsten, was das Wasser doch gar
nicht nötig hätte, aber noch stört es keinen, daß wir immer was andres wollen
als das, was wir schon haben. Das Thema Reisen kursiert, auch bei mir steht es
ja hoch im Kurs, nur: Ich kann nicht. Ich kann nicht weg. Ich muß, aber ich
kann nicht. Der Vorzug vieler Reiseziele liegt auf der Hand, aber nicht auf
meiner, auf meiner liegt nichts, und in meinem Herzen ist Neid auf die
Glücklicheren an den Abflugschaltern, die mit den Angestellten dort um die
Größe von Flüssigkeitsbehältnissen streiten, welche hübsche Uniformen tragen,
nein, natürlich nicht die Flüssigkeiten, sehr geschmackvoll, denn die nehmen
nicht jede und jeden. Mich würde die Fremde wahrscheinlich schon nehmen, sie
hat es mir oft genug versichert, aber ich gebe mich ihr nicht, obwohl es mir
auf die Reiseversicherung auch nicht mehr ankäme. Ich gebe mich nicht aus der
Hand. Mich frißt der Neid, aber ich halte trotzdem an mir fest, ich
vergewissere mich jede Minute meiner selbst: War das nicht soeben ein
Herzstich, ganz ohne Messer?, ich kann nicht anders, ich kann nichts anderes, als
mich selbst beobachten, denn sonst ist ja keiner da; obwohl ich an unerhört
hohen Bergen – ich komme vom Gebirge her – und unglaublich tiefen Meeren und
Tälern festhalten sollte, halte ich mich immer nur an mir selber fest. Ich
halte mich an mir fest, denn mehr habe ich nicht, was bleibt mir übrig. Meine
Antwort ist nur der Blick und die Schrift, und selbst die Schrift geht nicht
weit weg. Diese Schrift bleibt bei mir und aus. Da kann man nichts machen, ich
habe mich, wie Mama in Bezug auf mich, entschieden, diese Schrift nicht von mir
fortzulassen. Andre können mehr machen, jeder kann mehr machen, wenn er nur die
Hand ausstreckt, hat er schon wieder etwas mehr gemacht als ich. Das Reisen ist
was für die Tätigen, nur tun sie es mit dem ganzen Körper, ein Thema, das sie
keinesfalls aufschieben wollen, sobald sie sich dazu entschlossen haben, denn
der Körper ist wichtig und wünscht meist, an einen andren Ort verbracht,
verlagert zu werden, um mehr kennenzulernen und über sich hinausschauen zu
können. Stubenhocker: Pfui! Ich schäme mich so. Ich bin untätig, ich spiegle
mich nur selber und das nicht einmal als Träne im Ozean, sondern als
Zahnputzerin und Zahnseidenbenutzerin im Spiegel über dem Waschbecken. Wo sind
die Tätigen? Hier ist einer, der bald auf Maturareise gehen wird. Wie schön für
ihn, das gilt für die gesamte Menschheit über 18, aber nicht viel über 18, na,
sagen wir 20 oder maximal 25. Das wird ein Spaß! Na ja, bald wird es einer
sein, in einem Jahr, aber man muß schon im voraus planen, derzeit kann man nur
von dem Knaben sagen, daß er mit spielerischer Leichtigkeit am Leben bleibt und
seine neue Freundin hinter den Scheiben in jeder Ausführung, die sie wünscht,
wild küssen wird, so wild und tief in den Hals wie in einem Film, mindestens
einem, einige Minuten lang, eine Kunst, die jeder kann, ja, dort ist sie, dort
im Haus bewegt sich was, wo sie, die Freundin, ungeduldig hin- und hergeht,
sich in die Sicherheit der Hüften wiegt und sich mit dem Halm die ganze
liegengebliebene Musik reinzieht, nein, nicht mit einem Halm, mit einem Kabel
aus dem MP3-Player, den der Bursch liegengelassen hat, bei der alten Frau, die
ja ihre eigene Musik hat, welche aber kaum einer benötigt oder will, weil jeder
jede Musik schon kennt, diese aber nicht. Hier braucht der Bursch ihn nicht,
diesen Sound aus dem Hörer, obwohl der ihn von der Frau gewiß ein wenig
ablenken würde. Das ist von ihr aber nicht erwünscht. Der Knabe macht jetzt
einmal seine Ferialpraxis fertig, aus deren Erlösung er sich ebenfalls ein Auto
herausziehen wird, dann hätte er schon zwei in seinem Renn-Stall. Derzeit noch
kein einziges vorhanden. Zwei-, dreimal hat der Bursch dieser Frau jetzt schon
mit unerbittlicher und unverzeihlicher Nachlässigkeit in den BH gegriffen,
welcher mittlerweile aber schon unterm Bett weich gelandet ist, ob das reicht?,
nein, es reicht ihr nie, ihm schon längst, die Frau müßte ihm schon einen
Mercedes zahlen, da er sich selbst in Zahlung begibt und zur Revanche, daß sie
ihm mit spitzen Klauen und Zähnen wehgetan hat, die alte Frau, hat er ihre
ekligen, altklugen Brustwarzen lustlos mit den Fingernägeln langgezogen wie
Hammelbeine, abgepackt in Tiefkühlfolie, im Plastiksackl, in das irgendwas
ausgeronnen ist, was Widerwärtiges, das bodenwärts zeigt, etwas Ältliches,
Kriechendes, Kriecherisches, für das Mißachtung noch zuviel wäre, vormals etwas
Blutwasser, später dann Leichenwasser; wir schauen auf das Ablaufdatum und
sehen, daß da etwas aus- und abgelaufen ist, und wir werden uns bald im Spital
oder im Altersheim besuchen kommen müssen, wo einem sogar die Windeln noch
vorgezählt werden, damit man nicht zuviele verbraucht, wer wird uns besuchen?,
da es kein andrer tut, ich habe schon vorangekündigt, daß ich verschwinden
möchte und teilweise bereits verschwunden bin (falls Sie sich gewundert haben,
daß Sie mich nie sehen, nein, Sie haben sich nicht gewundert, Sie waren im
Gegenteil froh!), und so rinnt die letzte Spannung aus meiner endlosen
Schreibefläche, die keine Reibefläche mehr ist, dazu ist sie zu abgenutzt, zu
abgewetzt, heraus, und muß wohl irgendwann wieder neu beschichtet werden, damit
mir nicht alles so nahegeht, nein, diesmal nicht, nicht von mir, meine Schicht
trägt stattdessen die ganze Steuerlast, die Zeit des Aufbaus ist zu Ende, immer
wieder mußte ich meinem Werk behilflich sein, damit es überhaupt auf die Beine
kam, diesmal nicht, nichts dergleichen, es geht wie von selbst, was man meinem
Werk leider auch ansieht, das ist alles sehr plump und wacklig, dabei kommt es
bei der Frau besonders auf die Beine an, so, wieder weg die Spannung, die haben
wir jetzt recht gut rausgekriegt mit diesem neuen Fleckputzmittel, wenden wir
uns uns selber zu!, denn ich sage nichts, ich habe schon zuviel gesagt, ich
kann nicht mehr sagen, weil ich ja noch nirgends war, nichts kenne, nichts
gesehen habe, und das ist falsch, ich meine, das ist schlecht, mit einem
solchen klosterähnlichen Lebenswandel sollte man nicht auf dem Gang
herumwandeln und über Schweinereien von andren Leuten nachdenken, wie man sie
ihnen angedeihen lassen könnte, damit wenigstens irgendeiner das liest, sondern
gehen oder schweigen (oder sich selber wandeln! Aber was ist, wenn man das
nicht kann?), ich begreife, daß ich vom Reisen eben nichts verstehe und es
daher nicht tue, nicht ausübe, da kann man nichts machen, ich reise nicht in
andre Körper, und andre Körper reisen nicht in meinen, auch wenn ein Kenner
hier und ein andrer dort es von den Gebildeten fordern, daß man reist,
wenigstens irgendwohin, wo man nicht zu Hause ist, das ist die Bedingung der
Fortbildung, bis das Gebilde nicht mehr weiter ausgedehnt werden kann und
zusammenstürzt; das ist alles, inklusive dem eigenen Körper, doch es ist zu
spät für mich, ich erreiche kein Flugzeug mehr, keinen andren Körper mehr, nur
den Fremdkörper in meinem Auge, den habe ich erreicht, den habe ich aber als
Reiseziel gar nicht angegeben, auch als ich ihn noch nicht hatte, und nicht
einmal dem Trend zu Inlandsreisen gebe ich inzwischen noch nach, ich gebe nicht
nach, ich bin unerbittlich, ich gebe niemandem gegenüber nach, es geht jetzt
nicht weiter, weil ich selbst nicht weiterkomme und auch meinem Werk gegenüber
nicht nachgeben will und weiterziehen, ich bin unnachgiebig, ich erkläre nur,
weiß aber nicht was, ich verstehe ja von nichts etwas, aber Schreiben ist: aus
Nichts etwas machen (es t |