Die SonderanstaltTrottel Haider, Landeshauptmann von Kärnten (man darf ihn einen Trottel nennen, das hat Straßburg in letzter Instanz entschieden, in Österreich darf man ihn nur mit seinem heiligen Namen nennen, welcher lautet: Jörg!), läßt nun nicht verurteilte Asylwerber in eine sogenannte Sonderanstalt deportieren, eine Anstalt auf der Alm, nur über Forstwege zu erreichen, auf 1200 m Seehöhe, in ein ehemaliges Jugendheim, das erbaut wurde, damit endlich frische Luft, die sich irgendwann zu einem frischen Wind zusammenschließen soll, in die Jugend kommt, was die Jugend jetzt aber gar nicht mehr braucht, denn H.C. Strache und der Jörg geben der Jugend schon selber, was diese braucht. Dazu benötigen sie kein Heim, denn das Heim hat die Jugend schon, und es steht immer in Kärnten, falls es nicht woanders steht, und auch in der Steiermark stehen freundliche Heime, in denen Mütter, nachdem sie lang genug auf kleiner nationaler Flamme gekocht haben, Mohammed als Kinderschänder bezeichnen dürfen, wenn auch vielleicht noch nicht ganz ungestraft, wir werden sehen, wir werden uns vor Gericht sehen, Kinderschänder, und zwar „nach heutigen Maßstäben“, denn wir sind schließlich nicht von gestern, nicht wahr! (das Gestern interessiert uns auch gar nicht mehr), während die jugendlichen Söhne solcher Mütter als „Sofortmaßnahme“ gegen „muslimisch-türkische Vergewaltigungen“ im Stadtpark von Graz Schafe grasen lassen wollen, zu denen auch das Stimmvieh bähend drängt, zumindest drängen soll, das wird nämlich angestrebt, Schaf zu Schaf, und die Schafe sollen gefickt werden, damit nicht deutsche Frauen von ausländischen, fremdreligiösen Unholden gefickt werden, so soll es in der grünen Steiermark ausschauen und wurde dort auch so hingeschrieben (vielleicht um dem Rasen durch Schafe einen feschen Kurzschnitt zu verpassen, und zwar ohne Zuhilfenahme eines Rasenmähers), kennen Sie sich noch aus? Ich schon! Sie nicht? Also diese Mutter von dem Stimmvieh-Hüter wird jetzt bald im Parlamente sitzen, als Vertreterin der sogenannten Freiheitlichen; sie sind so frei, uns zu nehmen, uns halbe Portionen, denen das egal ist, und uns diese Walküre zu schicken, in den Feuerkreis, wo sie früher schon andre verbrannt haben. Die liebe Mutter des Knaben, der für seine nächtlichen Ergüsse in der Disco und deren täglichen Ausfluß – er hat es in einer Zeitschrift namens „Tangente“ geschrieben, wohin auch immer diese führen und wen auch immer sie berühren mag – ihn jetzt vor Gericht gebracht hat, als steirischen Obmann des RFJ, des Rings freiheitlicher jugendlicher Nibelungen, die müssen aber schon sehr sehr tief tauchen, um solche Schätze des Geistes zu heben, o je, ich vergesse vor Wut dauernd, was ich sagen will, ich sollte nicht mehr schreiben, kann ja gar nicht mehr richtig denken, dankeschön, Applaus! Applaus!, schreit Kermit, der Frosch, schreien viele andre auch, und die Schafe machen mäh, also, machen wir einen Punkt, endlich? Nein, den können wir noch nicht machen, denn wir müssen noch sagen, daß die liebe Mutter des Sodomie- und Vergewaltigungsschreiers („Lieber Sodomie als Vergewaltigung“!!, Schafe, bitte kommen, im Stadtpark brav grasen, damit sich schlimme Muslime nicht mehr an den Mädchen dorten vergreifen können, jawohl, mein Führer!, das sind wörtliche Zitate des Knaben, dessen Mutter bald blaue Abgeordnete im Parlament sein wird, und von denen, von solchen wird es mehr als zuvor geben. Was wollte ich sagen? Was muß ich noch sagen? Ja, leider ich muß. Wir wollen doch noch den Satz vollenden, auch wenn er im Leeren endet, den wir einen halben Meter weiter oben begonnen haben, auf der Alm, im Anhaltelager, gegründet ausschließlich „zum Schutz der Asylwerber“, ursprünglich gegründet für Jugendliche, die frische Luft schnappen wollten, jetzt: Sonderanstalt, jawohl, so nennt der Trottel Haider sie, Asylanten, marsch, in die Sonderanstalt!, dabei hätten sie sicher auch ein warmes Plätzchen in Mauthausen, in Redl/Zipf oder einem der vielen andren Nebenlagern der Hauptlager gefunden, wir haben ja genug davon, wir haben genug ruhige Lagerstätten für unser gutes Gewissen, und dazu weiche Kissen, nein, wir haben nicht genug davon! Ich kann vor Wut keinen Satz finden, das heißt, den Anfang finde ich schon, aber dann verfranze, verzweige ich mich auf den steilen Forstwegen, doch anders komme ich nicht in dieses Anhaltelager für Asylanten, wir wollen doch den Satz beenden, na, wir vielleicht nicht, aber ich schon!, doch ich finde nicht heraus.
Rein
schon, aber nicht mehr raus. Und dem jungen Mann mit den Schafen, dessen
Mama bald ins Parlament kommt (es ist diejenige mit Mohammed als Kinderschänder
und zwar nach heutigen Maßstäben, vor allem nach ihren), war jugendlich
übermütig, da nicht gewohnt, in den Medien zu schreiben, und so ist ihm
halt die Feder durchgegangen (alles Zitate seines Anwalts, eines bekannten
alten „Nationalen“), besser die Feder als ein Schaf geht durch, weil es
sexuell belästigt worden und jetzt total verängstigt ist. Wo finde ich
den Anfang, wenigstens den, denn den Schluß werde ich eh nicht finden,
das weiß ich jetzt schon, das kann hier immer so weitergehen, ich bleibe
hier, aber es geht weiter, ja, auch im Text, doch andre müssen fort. Naja,
das Land Steiermark hat reagiert und den blauen Jugendlichen (blau sind
sie nicht immer, aber immer öfter) die staatliche Förderung für ihre streng
jugendlichen Äußerungen, für die sie nicht verantwortlich gemacht werden
können, aber trotzdem!, gestrichen und auch den hoffnungsvollen Sohn,
mit dem seine Mutter einst in der Hoffnung war, welche sie nicht getrogen
hatte, was sie aber natürlich erst nachher wissen konnte, den haben sie
also in erster Instanz verurteilt wegen Verhetzung, naja, eine Hetz muß
sein! Damit haben die orangenen und blauen Kader viele Jungstimmen, die
sonst wild durcheinander geschallt wären, als wären sie selbst die Disco,
in der sie dann abtanzen, als wären sie selbst ihr eigener Lärm, gewonnen.
Sie haben gewonnen. Insgesamt fast ein Drittel der Wählerstimmen, aber
besonders die jungen kräftigen Stimmen. Ich weiß schon wieder nicht, was
ich eigentlich sagen wollte. Ich wollte etwas zum Asylheim sagen, das
sich auf der Alm befindet, wo es keine Sünde gibt, deswegen ist es ja
dort, das Heim, damit die Asylanten nicht mehr sündigen und gesunde Kärntnerinnen
und Kärntner, in deren Nähe sie nicht geduldet werden können, womöglich
infizieren; diese Menschen sperren wir ein, wir internieren sie auf der
Alm, in einem Anhaltelager, wir halten schließlich auf Tradition, und
sowas hat es bei uns immer wieder gegeben, Sonderanstalten nennt man das,
eine sogenannte „Zwischenlösung“ (wahrscheinlich vor der Endlösung, die
erst noch kommen wird), und das Endziel, diese Endlösung soll lauten:
Abschiebung. Aussi! Alles muß raus! Sollen sie sich doch in ihren Ursprungsländern
umbringen lassen. Wir wollen das nicht selber erledigen müssen, zuviel
Arbeit wahrscheinlich, obwohl wir es gerne täten, wir internieren sie,
damit sich keiner an ihnen ansteckt und zu einem richtigen Brand wird.
Bis wir sie endlich endgültig raushauen können. Wir brennen für etwas
anderes, für die Ausländer wollen wir nicht brennen – nein, für die zahlen
wir nicht, wie kommen wir dazu! „Die Unterbringung wird in angemessener
Distanz zur Wohnbevölkerung stattfinden“, spricht Trottel Haider. Fünf
sind schon dort, wir wollen sie nicht Menschen nennen, denn das sind sie
sicher nicht. Sie schauen zwar aus wie Menschen, sind aber keine. Und
wären sie Menschen, wir würden sie nach einer Sonderbehandlung zu etwas
andrem machen. Zu Schmutz, der geht dann leichter raus. Bis zu 50 Stück
von denen können dort betreut werden, und besser wäre es, den Schlüssel
schon vorher wegzuschmeißen, aber es geht natürlich auch danach, nach
der Betreuung oder Sonderbehandlung oder wie wir es nennen wollen, es
versteht eh keiner, so wie ich meine Sätze nicht mehr finde, ich bin ja
selber schon ganz weg!, ich finde zwar hinein, aber nicht mehr hinaus,
so sollen auch diese Ausländer hinein, und hinaus nur, wenn es auch wirklich
ganz hinaus geht, raus aus dem gesunden Kärnten und überhaupt, aus dem
ganzen gesunden, reichen, reinlichen, reichlichen Österreich hinaus, vom
Land aufs Land, weiter und immer weiter und immer dem Bache nach, und
mit dem Bach gehts ja auch schon bergab, schon immer. Bergauf fließt der
einfach nicht, da kann man machen, was man will, das ist die Natur, das
ist seine Natur. Wir haben eine Sonderanstalt, das ist nur natürlich,
wir haben eine Zwischenlösung und wir haben ein Endziel, sagt Trottel
Haider. Ein andres Wort, das mir auch noch einfiele, darf ich für ihn
nicht verwenden, das wäre noch nicht ausjudiziert, im Ausland, in Straßburg
nicht ausjudiziert, und ich müßte vor Gericht, wo ich Trottel Haider nicht
treffen wollte (und auch nirgendwo sonst). Das ist eine Ländersache, die
Unterbringung von Asylwerbern. Das ist Sache Kärntens in diesem Fall.
Es ist immer Sache Kärntens, wenn es nicht Sache der Steiermark ist. Und
bitte, die Steiermark hat schon gesagt, was ihre Sache ist und was überhaupt
Sache ist. Und in Wien wird die Sache dann eine Tatsache, wenn all diese
Leute, diese Fachleute auf ihren Verschubbahnhöfen, die dafür sorgen,
daß die Züge nicht zusammenstoßen, während deportiert wird, wenn all diese
Leute im Parlament sitzen werden oder zumindest etliche von ihnen, dann
wird es keine Zusammenstöße mehr geben. Oder nur inländische. All diese
Leute: das wäre schon einer zuviel. Ich meine, einer wäre schon zuviel.
Wo ist der gesellschaftliche Widerstand, wo isser denn, wo isser denn?
Hier ist er, ein kleiner Widerstand, ein Ohm-, nein, ein Omi-Widerstand.
Macht ja nichts. Keiner spürt ihn. Da ist eine Idee, und die Idee wird
verfolgt, so wie solche Ideen hier immer verfolgt wurden, und wo man Ideen
verfolgt, verfolgt man bald auch Menschen, nein, man tut es bereits. Also
ist die Idee schon zur Strecke gebracht. Ich möchte die Idee auch gern
zur Strecke bringen, aber ich kann meine Arme nicht so stark durchstrecken,
und lang aushalten tu ich das auch nicht mehr, was ich da halten soll.
Ich kann ja nicht einmal an mich halten! Sämtliche
schmückende "Trottel" im Text sind im Lichte des
bekannten Straßburger Urteils von 1997 zu lesen. Wer noch mehr Licht braucht,
kann ja eine Kerze anzünden.
7.10.2008 (Dank an die Tageszeitung „Der Standard“ für die informative Berichterstattung. Und Glückwunsch zum 20-jährigen Bestehen. Ich bestehe darauf, daß diese Zeitung weiter besteht.)
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